98 ZUR LITTERATUR DER RUNEN.
Die vierte ist deutlich: jah libäida (et vixit), und an dem zu-gefügten gah libeda nur das g für j zu tadeln, das wohl voneinem anderen Abschreiber herrührt, denn der Verfasser selbstwürde sonst die eben vorher gegebene Regel vergessen haben.Richtig bemerkt die vierte, dass das gothische ai für e in libedasteht, was althochdeutsch lepeta lauten würde. Die letzte Zeile:pro CH. Q ponunt ist schon vorhin bei quethun erläutert.
Ehe wir zu den gothischen Ziffern fortrücken, ist die Er-klärung einer oben über die beiden gothischen Alphabete ge-setzten Zeile nachzuholen. Sie ist nicht mit den deutlichen undgrossen Buchstaben jener Proben aus dem Evangelium des Lukasgeschrieben, welche im Ganzen die Schrift des Cod. Arg. undder Mailänder Palimpsesten darstellen, sondern mit kleinen, mehrliegenden, nachlässiger gezogenen, dergleichen wir in den nea-politanischen Urkunden finden und die man eine gothischeKursivschrift nennen könnte. Der erste, einem unvollkommenenK ähnliche Buchstabe ist ein F, ganz so, wie das zwischen dieAlphabete zwei Mal eingezeichnete gebildet; der zweite ist einA in der Gestalt des kleinen Alphabets. Über beiden ein Strich."Wir haben also FA, ein im Cod. Arg. (Büsching, S. 192 undApp. 52) und in den Mailänder Handschriften häufige Kürzung,die von den früheren Herausgebern des Ulfilas FAN gelesenwurde, bis Gordon sie durch FRAU JA richtig auflöste. Dienächsten fünf Buchstaben sind an sich ziemlich deutlich THÜXAS.Das A ist wieder wie das vorige gebildet, nur der dritte Quer-strich hat noch einen Haken herunterwärts, ob zufällig oder ab-sichtlich, wird sich nicht leicht entscheiden lassen, am wenigsten,wenn man den Kodex selbst nicht vor Augen hat; ein Buch-stabe kann jedoch nach meiner Meinung nicht darin liegen.Das S hat die Gestalt des eckigen C, wie sie das kleine Alpha-14 bet zeigt; wenn es auch auf der anderen Seite zugezogen einemViereck ähnlich scheint, so lässt sich das entweder aus einerähnlichen Bildung im Griechischen erklären (Nouv. traite Ip. 682), oder es ist ein Strich gezogen, um das Nächstfolgendeals nicht hieher gehörig abzusondern. Doch zur Erklärungselbst: da das X im Gothischen nur allein bei dem NamenChristus gebraucht wird, so muss darin die Entscheidung