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3 (1883)
Seite
97
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ZUR LITTERATUR DER RUNEN. 97

in tho ist es beibehalten. In uththan steht ein o für u, wasdem Althochdeutschen der allgemeinen Regel nach gemäss ist,etwas Genaueres lässt sich hier nicht sagen, da das Wort imAlthochdeutschen fehlt. Dagegen das u in vaürthun und quethunist richtig beibehalten. Das f in afar ist durch v, das ai inäivaggeljö und thairh durch e in jenem Sinne übertragen, unddie lateinische Endigung in evangelium hergestellt. Bei thösteht über o ein ou, insoweit inconsequent, als es in lokan wieu gelesen ist, aber dort war es ein bekanntes und ausländischesWort, und das althochdeutsche ou gilt allerdings sonst so viel,als das gothische 6; nur in diesem Falle müsste es diu heissen.Die letzte Zeile hat eine doppelte Überschrift, erstlich: iachuedant, welche das h auslässt bei der Copula und statt desgothischen Präteritums das althochdeutsche Präsens setzt. DerFehler aber scheint bemerkt und in der zweiten Übersetzung:ia chuätun, die das althochdeutsche Präteritum enthält, ver-bessert. Das gothische Q == QV ist, im Grunde unnöthig, inchu verwandelt.

Das Verhältnis scheint mir am natürlichsten durch folgendeAnnahme erklärt. Der, welcher obige Zeilen aus einem (durchdie Schreibart lokan von dem Cod. Arg. schon unterschiedenen)Kodex des Ulfilas entlehnte, verstand die alterthümliche, go-thische Sprache noch so weit', als sie seiner eigenen nicht all-zufern lag. Das Deutliche (uuortun, euangelium, chuätun) über-setzte er daher in althochdeutsche Formen, dagegen uththanund afar als unverständlich oder ungebräuchlich, sowie thairh 13und tho als zu abweichend von durah und diu blieben stehen,und nur die Orthographie fügte sich dem Gewöhnlichen.

Zunächst den gothischen Schriftproben folgen einige gram-matische Bemerkungen. Die erste Zeile: ubi dicitur genuitJ ponitur verstehe ich nicht, denn was soll das lateinische genuit,und warum musste es der Gothe mit J schreiben? Hier magalso ein Fehler stecken, und ursprünglich ein mit J anhebendesWort, etwa Judaius da gestanden haben. Die zweite: ubi Ga-briel G ponunt ist richtig, und der Name, wie schon bemerkt,aus dem Ulfilas genommen. Die dritte: ubi aspirationem utdicitur gibt wieder keinen Sinn, und das Beispiel muss fehlen.

W. GRIJIM, KL. SCHRIFTEN. III. 7