Druckschrift 
3 (1883)
Seite
96
Einzelbild herunterladen
 

96 ZUR LITTERATUR DER RUNEN.

Die einzelnen Worte sind deutlich:

vaürthun uththan afar

äivaggeljo thairh lökan

vaürthun afar thö

jah quethunDas heisst wörtlich:

Fiebant autem post.

Evangelium per Lucam.

Fiebant post ea (eam).

Et dixerunt.Ungewöhnlich ist hier nur in dem acc. Lokan ein 6 statt u,eine Vertauschung, die wegen der verschiedenen Länge beiderVokale an sich nicht wahrscheinlich wäre, jedoch durch andereBeispiele im Ulfilas bestätigt wird; so findet man dort vidövound viduvö; vgl. Gramm. I S. 40. Zusammenhang ist zwischenden einzelnen Zeilen nicht, und sie scheinen aus einem gothischenKodex hier und da auf Gerathewohl herausgenommen. DieserKodex aber war, wie ich glaube, kein anderer, als der Ulfilas12 selbst. Äivaggeljo thairh lukan anastödeith ist die Überschriftim Cod. Arg. jah quethun, das freilich öfter vorkommt, stehtgleich Luk. 1, 61 und der in der grammatischen Bemerkungangeführte Name Gabriel auch in der Nähe, Luk. 1, 19.

Hat der, welcher über die gothischen Zeilen die gewöhn-liche Schrift setzte, das Gothische selbst verstanden? Was indem Augenblick dagegen zu sein scheint, dass er nämlich beider Umschreibung nicht treu und genau verfahren, spricht imGrunde dafür. Das gothische V überschreibt er durch im = w,und hat darin als Hochdeutscher (vorausgesetzt, dass er einsolcher war) ganz recht. Das gothische liest er o, im All-gemeinen richtig, obgleich hier (wurtun) u besser gewesen wäre.Der Kodex zeigt zwar in der ersten Zeile wartun, aber mansieht noch, dass früher o dagestanden hat und wahrscheinlichvon einer anderen Hand in a ist abgeändert worden, wie auchwirklich in der dritten Zeile worthun steht. Das TH ist inwortun der ersten Zeile, in quethun und in uththan durch dieTenuis umgeschrieben, dort wirkte das Althochdeutsche, hierwiderstrebte wohl ein doppeltes TH einer hochdeutschen Fe-der; dagegen in thairh und in vaürthun der dritten Zeile, sowie