92 ZUR LITTERATÜR DER RUNEN.
Angelsächsischen noch bezeichnet wird, an sich nicht unwahr-scheinlich, sowie das Schwanken zwischen D und TH beimUlfilas (vgl. Gramm. I S. 62) durch ihren Verlust zu erklären.— Ganz ungewöhnlich ist die Gestalt des E, die gar nichtsmit der bisher bekannten gemein hat und gleichwohl auf keinemVersehen beruht, da sie hernach auf der linken Seite neben demgewöhnlichen E wiederholt wird. Allein rückt man auch hierdie unverbundenen Striche zusammen, so erhält man das um-gelegte E, welches wie das lateinische M aussieht: C 3 ; undhier bricht eine neue Übereinstimmung mit den angelsächsischenRunen hervor, wo das E gleichfalls eine dem lateinischen Mähnliche Gestalt hat. — In richtiger gothischer Ordnung folgenQV, Z, H (dessen vorderer Strich nicht so hoch hinaufgeht,als in der sonst bekannten gothischen Schrift), TH, I, K, L, M,N, J, U, P. Jetzt müsste das sTiia^^ov für 90 folgen, aber esfehlt, ohne Zweifel, weil es oben als D vorgekommen ist. Leerbleiben kann inzwischen dieser Platz nicht, weil die Zahl 90sonst ausfallen müsste, und wenn nur nicht durch blossen Zufalldas Zeichen die vierte Stelle erhalten hat (was allerdings mög-. lieh, übrigens in diesem genauen Alphabet der einzige Fehlerwäre), so müsste man vier Abstufungen der Linguallaute be-haupten und in jedem Fall einem hier seinen Platz anweisen.Durch einen Irrthum freilich wäre u oben hingerathen, denndas D muss den vierten Platz in jedem Fall behalten, weil esin dem griechischen, lateinischen und slavischen denselben ein-nimmt, aber in der Verwechslung, die wir wiederholt sehen,liegt der Grund für die Vermuthung, dass q ein verwandter,zur Lingualreihe gehöriger Buchstabe sei. Fürs Erste bleibt esjedoch nur eine Vermuthung, der allerdings auch entgegensteht,dass man auf griechischen Münzen dieses £Trtayjij.ov genau in der-selben Gestaltung und Geltung findet; vgl. Büsching S. 206und Nouveau traite de diplom. I p. 682. 683. — Von R bisO folgt nun alles wieder der Regel, anzumerken ist die ab-weichende, im Gothischen sonst unbekannte Gestalt von S,welche indessen mit griechischen Formen meist aus spätererZeit (s. Mionnet description de medailles antiques, pl. 31, Nouv.traite I p. 682) und dem slavischen C für S übereinstimmt.