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3 (1883)
Seite
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DIE ALTNORDISCHE LITTERATÜR. 83

unfruchtbar weggeworfen und zertreten worden. Dies gilt nichtbloss von der Poesie, Sprache und Geschichte, sondern überhauptvon dem bürgerlichen Leben. Wie man bemerkt hat, dass,nachdem Galls System bekannt geworden, die Bildhauer dieForm des Schädels sorgfältiger betrachtet und richtiger ver-standen, oder wie die Maler durch das Studium der Anatomieerst die leisen Übergänge und wallenden Linien des lebendenLeibes erkennen, so dient auch das Alterthum, dasjenige, wassich sonst dem Blick entzieht, zu sehen und der wahren Gestaltnäher zu kommen. Hier ist auch der Punkt, wo ein Stärkenund wirkliches Portbilden dadurch möglich wird und der Nutzensich praktisch zeigt, denn es kann das Schwankende stützen?das Verwirrte ordnen und nach einem alten Bilde die verwil-derten Runen unterscheiden und in ihre natürliche Folge legen.

Es ist daher auch klar, dass das vaterländische Alterthumdie erste und grösste Rücksicht verdient. Die Frage, ob es inallen Theilen trefflich und beifallswürdig sei, kommt dabei nichtin Betracht, da es ja zu einer rohen Nachahmung nicht sollhingestellt werden. Auch ist der Streit, inwiefern das Alterthumanderer edler Völker wegen höherer Ausbildung den Vorzugverdiene, nutzlos; denn eine höhere Trefflichkeit, selbst wennsie erwiesen wäre, auch nicht durch Gegensätze bedingt, denenwir mit Recht uns entziehen, wird doch nur einer von demAllernächstliegenden abgelösten Gesinnung als der letzte Grunddes Vorzugs erscheinen. Die unbedingten Verehrer der Grie-chen, welche diese überall als das einzige Muster voranstellen,haben hier durch Beförderung einer seelenlosen Nachahmungviel geschadet. Die Aufgabe nämlich unserer Bildung ist nicht,bei uns eine Sammlung aller aufzubringenden Vortrefflichkeitenanzulegen, sondern eine naturgemässe Entwickelung unsererEigenthümlichkeit zu befördern. Das Unrecht gegen die Vor-züge des Fremden fängt erst da an, wo wir absichtlich dieAugen davor verschliessen und jede Einwirkung desselben ab-zuschneiden gedenken; dann nämlich entziehen wir uns dieFreiheit und fangen an abzusterben.

Nächst dem einheimischen Alterthum ist aber das nordischedas wichtigste, oder vielmehr es ist als ein Theil desselben zu