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3 (1883)
Seite
84
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84 DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR.

betrachten. Wir dürfen uns hier eines glücklichen Verhältnissesfreuen, indem das germanische Element unserer Bildung, mitdem schon früh, aber mit entschiedenem Gewicht seit der Zeitder Völkerwanderungen das römische zusammenkam, in demabgetrennten Norden reiner und ungestörter sich erhielt undfortbildete. Dieser ward erst durch die Einführung des Christen-thums, dessen Herrschaft nicht eher als im 11. Jahrhundert53 durchgedrungen war, ähnlichen Einflüssen geöffnet und trat mitDeutschland in eine gleiche Bahn. Das nordische Alterthumverhält sich daher zu dem deutschen, wie die Sprache der Be-wohner abgeschlossener Thäler und Berge zu der, welche sichin den Städten der offenen Landschaft aus vielfach bewegtemLeben und durch die von allen Seiten zuströmenden Einwir-kungen gebildet hat. Jene ist in sich vollkommener geblieben,diese reicher an Mitteln geworden. Die altnordische Poesiegewährt ein wahrscheinlich sehr nah verwandtes Bild der ältestendeutschen bis auf wenige Spuren untergegangenen, und diesVerhältnis wird sich einmal noch genauer darlegen lassen, nurdass der Mangel an entsprechenden Denkmälern bei uns nichtgestatten wird, es so gründlich und ausführlich nachzuweisen,wie es bereits bei der Sprache geschehen ist. In der Mythologiesind die Grundzüge des Gemeinschaftlichen ohne Zweifel nochvorhanden, obgleich die Meinung viel Wahrscheinliches hat, dassdie auf uns gekommenen mythischen Quellen eine dem Nordeneigenthümlich zugehörige Fortbildung darstellen. Grosse Auf-klärung ist endlich für Sitten, das ganze Privatleben und dasüberlieferte Volksrecht von dorther zu erwarten.

W. C. Grimm.