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3 (1883)
Seite
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78 DIE ALTNORDISCHE LITTERATUB.

blosser Nachbildung zugeliefert worden; es fand wohl eineWechselwirkung Statt, zu welcher aber nothwendigerweise dasfortdauernde Leben der Mythologie gehört. Die bildende Kunstist aber niemals im Norden mit einigem Erfolg geübt worden,also nicht einmal an eine erträgliche Nachahmung wäre zudenken, und es könnte aus solchen Bemühungen nur ein un-glückliches Mittelding hervorkommen, das weder jener noch dergegenwärtigen Zeit zugehörte. Gelänge es z. B. etwas von demBedeutenden einzutragen, so müsste es durch die moderneEleganz der Ausführung schon lächerlich werden. Ahnlichbeschreibt der Volksglaube die Gespenster als unglücklichschwebende Geister, die weder die Erde berühren noch auch indie Luft aufsteigen können.

Dies ist nicht schwer einzusehen, verschieden aber undschwieriger ist das Verhältnis der heutigen Poesie zu jener desAlterthums. Wir können durch eine genauere Bekanntschaft,zumal bei der in unserer Zeit ausgebildeten Fähigkeit, sichfremde Zustände zu vergegenwärtigen, in die Mitte der poetischenGesinnung des Alterthums uns wohl versetzen und ihre trefflicheEigenthümlichkeit lebhaft fühlen. Da die Poesie schon wenigerals die Mythologie von den Formen abhängig ist und geradedas Allgemeinere, Menschliche ausspricht, auch die Phantasiedem Wort jedes Mal eine Gestalt zu geben weiss, so glaubt mandurch Nachbildung jener Vorzüge oder Einmischung derselbenunserer Poesie aus der alten einen grossen Gewinn zuzuwendenund sie zu ihrer eigentlichen Quelle zurückzuführen. Hierzukommt nun das durch die alten Sagen dargebotene Material,dessen poetischer Inhalt unleugbar ist und der neuen Dichtungimmer einen gewissen Werth im voraus zusichert. Auf dieseWeise hat sich in Deutschland sowohl als in Dänemark einebesondere alterthümliche Poesie von nicht geringem Umfanggebildet. Sie hat ihren eigenen Stil, ihre Weise die Natur undWeltverhältnisse zu betrachten, eine eigen gefärbte Sprache;endlich bei aller Verschiedenheit im Einzelnen offenbart sich inihren sämmtlichen Erzeugnissen eine gewisse Familienähnlichkeit.

Dieser Poesie fehlt es nicht an Werken, die sich sichtbarauszeichnen und mit mancherlei Vorzügen und Schönheiten