76 DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR.
rühmten Todesgesang des Ragnar Lodbrok in der Urschriftmit lateinischer und englischer Übersetzung herausgegeben(Kopenhagen 2. Auflage 1815), und sein neuestes Werk ist:Antiquitates Celto-Scandicae s. series rerum gestarum inter48 nationes britannicarum insularum et gentes septentrionales.Kopenhagen 1815. 4°. Walter Scotts, des berühmten Dichters,Illustrations of the Northern Antiquities (Edinburg 1814. 4°)enthalten Zusammenstellungen, Übersetzungen und dergleichen,aber keine eigentlichen Studien. — Dass in Holland etwasHierhergehöriges erschienen wäre, wüsste ich nicht.
Man erlaube zu dem Ganzen einige Schlussbemerkungen.
Wenn man den Irrthum, der in einer unbedingten Lob-preisung des Alterthums und in der modernen Verachtungdesselben liegt, gegen einander aufhebt, so bleibt doch aufjener Seite das wahre Gefühl für das Naturgemässe und Gesundeim Leben des Alterthums zurück. Wer nur unbefangen ist,dem muss es wohlthätig einleuchten, dass darin von keinenkünstlich erdachten Anordnungen, schnell eilenden Erfindungen,oder wie man sonst die vielfachen Täuschungen, die von derWahrheit wie Schwämme von der scheinenden Sonne verzehrtwerden, nennen mag, die Rede ist. Jene Zeit äusserte sich,wie es die innere Natur verlangte, und zeigt sich nicht anders,als wie sie wirklich war; selbst das Böse hat sich durch keinemildernde Form zugleich versteckt und genähert. Dagegen dieGeringschätzung der Vorzeit von dem Standpunkt unsererheutigen Bildung ruht auf jener ungeschichtlichen Ansicht, diemit einigen dünnen Principien und viel gesetzgeberischen Ge-lüsten der Welt forthelfen möchte. Weil das Harte und Rohe,das uns dort begegnet, in die Gegenwart gestellt, ohne Zweifelunverträglich damit, gar wohl furchtbar und zerstörend seinwürde, wo nicht eine ebenso sicher gegenüberstehende Tugendes zähmen könnte, so gefällt einer solchen Gesinnung keinVorschlag besser, als jene Zeit in Vergessenheit gerathen zulassen und das Studium des Alterthums ganz zu verwerfen.Indessen lässt es sich nicht durchsetzen, da wir bei jedergründlichen Betrachtung des Vorhandenen auf die Vergangenheit