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3 (1883)
Seite
71
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DIE ALTNORDISCHE LITTEKATUR. 71

Verhältnissen Einzelner nicht wohl anders möglich ist, sammeltensie nur in einigen Gegenden, das Meiste ist aus Westgothland,dem Geburtsorte von Afzelius, einiges aus Uppland; um denVolksgesang in ganz Schweden aufzunehmen, wäre eine Ver-einigung mehrerer nöthig, wornach denn auch in der Vorrededer Wunsch ausgedrückt ist. Kommt sie auch nicht zu Stand,so ist doch zu hoffen, dass in den verschiedenen ProvinzenEinzelne angeregt werden, und die Herausgeber gedenken auchschon eines anderen Sammlers, Herrn Rääf, der ihre Arbeithoffentlich ergänzen wird. Indessen was hier dargeboten wird,ist alles frisch und gut, und die zweihundert Jahre früher auf-gefassten dänischen Lieder sind im Ganzen weder reicher demInhalt nach, noch besser und reiner im Ausdruck, so dass manwieder ein schönes Beispiel von der Erhaltungskraft der Über-lieferung vor sich hat. Sie zerstört leicht und schnell, was in 45sich nicht vollkommen und gesund ist, aber für das Begründetehat sie ein treues und reines Gedächtnis. Wenigstens zweiDrittel ihrer Lieder besitzen beide Völker gemeinschaftlich, dieVergleichung der schwedischen mit den entsprechenden dänischenhat mancherlei Reiz; man sieht, wie bei aller Übereinstimmungjedes sich frei und unabhängig gebildet. Nyerup hat in dieserHinsicht' ein Paar Bogen passender Anmerkungen geliefert:Kurze Übersicht der von Afzelius und Geijer herausgegebenenschwedischen Lieder des Mittelalters mit Hinweisung auf dieentsprechenden dänischen, Kopenhagen 1815. Eins der merk-würdigsten unter denen, welche im Dänischen nicht vorkommen,ist »die wunderbare Harfe« (No. 17), jene rührende Sage, wor-nach die aus den Knochen einer heimlich Gemordeten zusammen-gesetzte, mit ihren Haaren bezogene Harfe von selbst anfängtzu tönen und die Unthat verräth. Zugleich ist dasselbe Liedmit schönen Abweichungen, wie es auf den Faröern gesungenwird, von Rask mitgetheilt. Die Herausgeber hätten wissensollen, dass es sich auch altschottisch (in Scotts Sammlung),selbst als Kindermärchen mit mancherlei Veränderung deutschvorfindet. Eine andere Abweichung von dem dänischenWerk, die weniger Beifall finden wird, ist die Aufnahmemoderner Volkslieder. Diese können ganz gewiss grossen