70 DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR.
ist auch, dass der Verfasser sich nicht bloss auf sein nächstesVaterland beschränkt, sondern den ganzen Norden berücksichtigthat; es ist sehr zu wünschen, dass der hier geäusserte Plan,welcher auf eine vollständige Zusammenstellung aller solcherÜberreste des Alterthums in Schweden und Norwegen geht,zur Ausführung gelange. Überhaupt würde eine grössere Ver-einigung und Annäherung der dänischen und schwedischenGelehrten, die so natürlich ist, sich sehr fruchtbar beweisen;Rask hat in der Vorrede zu der angelsächsischen Sprachlehredarüber manches Wahre gesagt. Doch zeigen sich auch hiervonVorboten, denn die neue Ausgabe der dänischen Kämpeviserscheint auf ein ähnliches Unternehmen in Schweden wohlthätiggewirkt zu haben, wo sie nicht der eigentliche Anlass war:Schwedische Volkslieder aus der Vorzeit. Gesammeltund herausgegeben von Er. Gust. Geijer und Arv. Aug. Afze-lius. Erster Theil, Stockholm 1814. Die Sammlung selbst hatder letztgenannte Herausgeber gemacht, der auch durch eineÜbersetzung der Hervarar-Saga (nach dem Text des Verelius)im Jahr 1811 seine Theilnahme an dem Alterthum gezeigt hat 1 ).Dieser erste Theil (der zweite und dritte von 1816, womit dasWerk geschlossen ist, sind noch nicht angelangt) enthält dreissigStücke, grossentheils von ausgezeichnetem poetischen Werth.Von der dänischen unterscheidet sich diese Sammlung dadurch,dass sie fast lediglich mündliche Überlieferungen enthält unddiese Quelle als die reichste und vorzüglichste anerkennt,während sie dort am spärlichsten floss. Zum Theil liegt diesin der Natur der Sache, da hier zum ersten Mal die seit50—60 Jahren zurückgedrängten Volkslieder gesammelt wurdenund die Arbeit eines Peter Syv nicht konnte zu Grund gelegtwerden. Doch auch handschriftliche Liederbücher, deren eseinige auf den Bibliotheken zu Stockholm und Upsala gibt,und Sammlungen von fliegenden Blättern, welche den Heraus-gebern sind mitgetheilt worden, haben wenig geliefert, siewollten sich, zumal da ein jedes Lied von seiner Melodie solltebegleitet sein, lieber an jene Quelle halten. Wie es bei den
') Von ihm rühren noch: specimina III poeseos gentium septentrionaliumantiquissimae, Upsal 1739, die ich nur dem Titel nach kenne.