66 DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR.
oben her durch reichliche Gewährung der äusseren Mittel imvoraus eine wirkliche Blttthe hervorzulocken, so hat die Ge-schichte mehr als einer gelehrten Akademie das Gegentheilgelehrt. Man fängt die Sache verkehrt an und baut Häuserbevor Menschen da sind, die sie bewohnen können. Auf deranderen Seite ist es auch gewiss, dass ohne Ermunterung undUnterstützung manches Talent mühsam sich durchringen mussund nicht selten verkümmert. Grosse Werke können nach dergegenwärtigen Lage der Dinge, wo diejenigen, welche dieWissenschaft achten und lieben, verarmt sind, bei denen aber,welche den Reichthum in Händen haben, jene wohlthätige Sitte,aus fortgepflanzter Achtung sie zu befördern, fast ausgestorbenist, ohne Hilfe von oben nicht mehr erscheinen. Die Aufgabebesteht also darin, den rechten Mittelweg zu treffen, und sieist gewiss am besten und natürlichsten in der beständigen Be-reitwilligkeit der Regierung gelöst, jeder einzelnen Arbeit, dieaus wirklicher Neigung unternommen wird, fortzuhelfen oderden Stein des äusseren Bedürfnisses, der oft den edelsten Keimdrückt, wegzuwälzen. Das Gelingen ist dann ebenso wahr-scheinlich als das Misslingen bei anbefohlenen Werken. InDänemark scheint der König ein natürliches Wohlwollen fürdie Wissenschaft zu hegen, wie es aus dem Gefühl entspringt,dass sie gerade das Dauernde und Bleibende suchen, wodurchein Volk am ersten zu einem gesunden und kräftigen Daseingeführt wird. Die Unterstützung der Alterthumskunde istinsofern grossartiger und edler, als sich der Gewinn nichtsogleich oben abnehmen und praktisch verbrauchen lässt, woraufz. B. die Herrscher aus Napoleons Schule sahen, welche dieWissenschaft nur im Dienste ihres eigenen Vortheils erblickenwollten. Der König hat eine Anzahl von Werken, deren Er-scheinung sonst sehr im Zweifel oder in der Zukunft lag, aufseine Kosten drucken lassen, er hat die Reise von Rask, derdie Quellen der altnordischen Sprache in dem asiatischenMutterlande erforschen will, möglich gemacht. Und das alleshat er in einer äusserlich gewiss nicht glänzenden Zeit gethan,wo die Kräfte des Staats für so manches dringende Bedürfnisder Gegenwart in Anspruch genommen wurden. Auch Privaten,