64 DIE ALTNORDISCHE LITTERATÜR.
einem Anhang von Liedern in der Baueinsprache (Kopenhagen1802. 8°). Jung hat den Charakter, die Sitten und die Sprachedes nordseeländischen Volks beschrieben (Kopenhagen 1798. 8°).
Die unerzwungene Neigung für das Alterthum offenbartsich auch darin, dass man sich nicht bloss auf das Altnordischebeschränkt, sondern die Betrachtung auch auf das damit in Be-ziehung Stehende hinwendet. Es ist jenes natürliche Gefühl,dass ein volles Verständnis nicht möglich ist, wenn man nichtweiss, wie weit die Wurzeln des eigenen Stammes gedrungensind, wie sie sich mit anderen verflochten haben und welcheNahrung von dorther zugeflossen ist. Der Rücksicht auf alt-deutsche Litteratur brauchen wir kaum zu gedenken, sie verstehtsich von selbst; so wie wir unser Alterthum ohne Hilfe desnordischen nicht verstehen und erklären könnten, so wird manauch des deutschen dort nicht entbehren wollen. Nyerup hatschon früherhin symbolae ad literaturam teutonicam geliefert,und fast der ganze zweite Band der Edda-Lieder handelt ja voneiner beiden Völkern cremeinen und nur sremeinschaftlich zu er-läuternden Stammsage.
Auch die Rücksicht auf die angelsächsische Spracheund Litteratur ist eine Folge der neuerweckten Liebe für dasAlterthum. Der Zusammenhang derselben als eines Zweigesdes grossen Sprachstammes mit dem Norden, so wie mit demDeutschen fällt in die Augen. Aber ohne gründliche Einsichtkonnte das Anlass gerade zu den verkehrtesten Behauptungengeben. Rask ist auch hier zuerst zu nennen, er hat zu Stock-holm, aber dänisch, eine angelsächsische Sprachlehreverbunden mit einem Lesebuche 1817 herausgegeben. Er hatin der Einleitung die Grenzen der Verwandtschaft, die Unab-hängigkeit des Angelsächsischen vom Nordischen wie das Um-gekehrte hinlänglich dargethan. Früher schon hatte er denschon oft abgedruckten Bericht Ottars und Wulfstans an denKönig Alfred über ihre Reise bearbeitet (Kopenhagen 1816) 1 ).Der Text ist vielfach berichtigt und ausser einer dänischenÜbersetzung sind kritische Anmerkungen und sonstige Erläu-
') Steht ancli in den Schriften der skand. Litt.- Gesellsch. von 1815.