54 DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR.
gesetzen; er ist ihr unterworfen und dient ihr als Werkzeug,wodurch sie sich äussert. (Wer bloss nach einem von beidenPunkten etwa -die germanische Sprache geschichtlich betrachtet,findet sie entweder mächtig und gewaltig herangewachsen, umdas Höchste und Tiefste auszusprechen, oder sieht in ihr eineerbärmliche Entstellung und hilflose Versunkenheit von derersten reinen Höhe. Vielleicht hat die deutsche Sprache nochdie glücklichste Mischung beider Richtungen, denn wo dievereinfachende, durch die Schrift feststellende vorherrscht, daverliert sich das Lebendige, und der völlige Sieg würde dasErsterben der Sprache sein; dagegen wo das Organische, daskeine Schrift stätigt und festhält, vorherrscht, da löst sich dieSprache in endlose Mundarten auf, die am Ende das Gemein-same kaum noch erkennen lassen. So sollen z. B. in Südamerika,wie in China, die mannichfaltigsten Mundarten ganz nah nebeneinander bestehen; auch die Neger haben so verschiedenartigeSprachen, dass bis jetzt ihr Gebiet noch nicht zu übersehen ist.)Im Altnordischen scheint die einfache Form sehr eigenthümlichgebildet; die Beugung im Singularis wird nur durch den hellstenund tiefsten Vocal a und u bewirkt; i, welches in den anderenDeclinationen im Dativ sich zeigt und nach dem Verfasser imGriechischen eigentlich überall dessen Endigung ausmacht, kommthier nicht vor, und die jedesmalige völlige Gleichheit der Casusist ganz gewiss kein Zufall. Durch die Erklärung des Verfasserswird sie indessen aufgehoben. Um beim Masculinum stehen zubleiben, so erkennt er im Genitiv a das griechische ou, eigent-lich so, oo; im Dativ a das w, eigentlich 01, das i sei wegge-worfen und o wie im Genitiv in a verwandelt; im Accusativ adas griechische ov, wo v wieder weggefallen ist. Im Plural be-gegnen wir noch zwei Endigungen auf a, dem Genitiv a, welcheraus (juv, awv, und dem Accusativ a, welcher aus a? hergeleitet"wird. Man muss die Ausführung in der Schrift selbst lesen,wo das Grelle, das nach dem ersten Anblick in den Behauptungenliegt, sich mildert und in jedem einzelnen Fall die Wahrschein-lichkeit der Umänderung einleuchtend gemacht wird, doch darfman darüber das Ganze nicht vergessen. Der Verfasser kannanführen, dass er die einfache isländische Declination wiederum