DIE ALTNORDISCHE LITTERÄTUR. 53
spräche erfährt, dass der isländische Dat. PI. auf um mit demgriechischen auf et uai eai und dem lateinischen ibus durch dasMittel des Litthauischen, welches das b mit einem m vertauscht,zusammenkommt. Es fragt sich bei solchen Behauptungen nur,und zumeist hei jemand, der so vorsichtig Schritt vor Schrittgeht, wie der Verfasser, ob es nicht wohl gethan wäre, manchesals eine wirkliche, der verschieden wirkenden Lebenskraft derSprache zuzuschreibende Abweichung hingestellt sein zu lassen,statt es als eine blosse, nach irgend einer Analogie entstandeneUmänderung zu erklären, wenn auch der in die Augen fallendenÜbereinstimmungen weniger werden sollten. Denn wohin sollteman nicht gelangen, wenn man die so oft hervorbrechendeIdentität der Vocale und die S. 213 bemerkte Regel anwendenkann, wornach das Isländische einen Selbstlaut am Ende einesWortes fortzuwerfen, dagegen, ist ein Mitlauter dabei, denSelbstlaut zu behalten und jenen wegzuwerfen pflegt, wovondoch s gleich eine Ausnahme zu Gunsten des wieder umge-kehrten Falles macht, wo nämlich der Consonant, in r ver-wandelt, bleibt und der Vocal wegfällt. Ein Beispiel wird dieSache deutlich machen. In der isländischen Sprache findet sichin allen dreien Geschlechtern eine einfachere Declination (RaskGr. 1. 3. und 6), welche im Singularis der bestimmten Decli-nation der Adjectiva entspricht. Das Neutrum hat alle 4 Casusgleichlautend; das Masculinum hat im Nominativ i, in denübrigen Fällen a, das Femininum im Nominativ a, in den dreiübrigen u. Ihr steht eine andere Art der Declination entgegen,die mannichfachere und unbestimmtere Formen hat. DieserGegensatz drückt die beiden Gesetze aus, welche bei derSprachbildung wirken, das eine dringt auf Stätigkeit und Ein-fachheit der Formen, man könnte es das feststehende, erhärtende,äusserliche, abschleifende, das andere aber, das Beweglichkeitund Mannichfaltigkeit erzeugt, das organische, hervortreibendenennen. Jenes führt der Reichthum der Wörter und Gedanken, sidie Ausbildung des Geistes, herbei, der die Sprache nur als einihm unterwürfiges Werkzeug handhabt; dagegen bei dem orga-nischen Princip wirkt die Sprache selbst als etwas Lebenskräftigesnach herrlichen, über dem menschlichen Geist stehenden Natur-