52 DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR.
des Nordischen mit dem Griechisch-Lateinischen. Eine Unter-suchung über das Verhältnis der germanischen zu den asiatischenSprachen, namentlich der indischen, hat der Verfasser am Endeausdrücklich abgewiesen. Sollte sich zwischen beiden eine nochgrössere Übereinstimmung darthun, so würde die hier ange-fangene Untersuchung fortrücken und wir dem eigentlichenUrsprung noch näher kommen. — Seine Aufgabe hat der Ver-fasser mit Fleiss, Gelehrsamkeit und nicht gewöhnlichem Scharf-33 sinne gelöst, und der an sich zwar keineswegs neue Satz istauf eine neue und, so weit es bis jetzt möglich war, vollständigeWeise durchgeführt. Es versteht sich, dass der Verfasser deninneren Bau der Sprache als die Hauptsache betrachtet. Gleicham Anfang zeigt er, durch das Mittel des Mösogothischen, wiedas noch jetzt lebendige Isländische die Aussprache des Grie-chischen bestimme; die Erasmische wird als die richtige aner-kannt, jedoch mit einigen Einschränkungen, wornach mannämlich ohne Rücksicht auf Accente die Buchstaben und Doppel-lauter überall gleich aussprechen muss, insbesondere aber ei wiei (NstXoc also wie im Lateinischen Nilus); wobei nur zu be-denken bleibt, dass umgekehrt in anderen germanischen Sprachen,wie .in englischen und deutschen Mundarten, das i, ie wie eiausgesprochen wird, z. B. im Paderbörnischen Weise, Freidefür Wiese, Friede. Ferner das C lautete wie sd. Zu UlphilasZeit gieng die Aussprache schon in die jetzige neugriechischeüber. Auch die Gesetze des Wohlklangs zwischen dem Islän-dischen und Griechischen zeigen Ähnlichkeit; z. B. von vatn derGenitiv vatz wirft das n weg und wird wie vaz ausgesprochen,so das griechische irä? für toxv*?. Die lateinische und griechischeDeclination und Conjugation wird zuerst nach einem einfacherenSystem dargestellt, dann geht der Verfasser zu einer Vergleichungder Formen und Endigungen im Einzelnen über, indem er be-trachtet, wie sich die isländischen zu den thracischen verhalten,wobei das nahverwandte Mösogothische und Litthauische diewichtigsten Hilfsmittel darbieten. Das ganze Detail der Unter-suchung ist anziehend und voll scharfsinniger Bemerkungen;so ist, um nicht bloss im Allgemeinen zu loben, S. 208. 209gewiss überraschend dargethan, wenn es vielleicht auch Wider-