DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR. 51
Mit dem Schluss, worin zum voraus der letzte Odin einSchamane und seine Reformation lamaischer Priesterbetrug ge-nannt ist, wird nicht jeder einstimmen.
Zu den wichtigsten Forschungen in ihrem Fache gehörtdie neueste Arbeit von Rask: Untersuchung über denUrsprung der altnordischen oder isländischen Sprache,eine von der königlich dänischen Gesellschaft derWissenschaften gekrönte Preisschrift (Kjöbenh. 1818).Diese Schrift, in welcher der Gewinn zwölfjähriger Studienaufgestellt ist, wurde während des Aufenthalts des Verfassersauf Island ausgearbeitet, im Jahr 1814 nach Kopenhagen ge-sendet und im Sommer 1817 durch königliche Unterstützungzum Druck befördert, als der Verfasser schon seine Reise zurnäheren Ergründung der europäischen und kaukasischen Sprachenangetreten hatte. Zur Lösung dieser Aufgabe hat er hier dennatürlichsten Weg: eine Vergleichung der umgebenden altenSprachen (denn auf die bekanntlich später entsprungenen warkeine Rücksicht zu nehmen) eingeschlagen. Er hat den Haupt-satz gewonnen, dass die altnordische Sprache sowohl alsdie deutsche, welche beide er mit dem gemeinschaftlichen Namender gothischen bezeichnet 1 ), ihre Quelle in der altthra-cischen habe, oder dass sie, was ihre Hauptbestandtheile an-gehe, aus dem grossen thracischen Stamme entsprossen sei,deren älteste Überreste allein noch im Griechischen und Latei-nischen sich erhalten. Hierbei kommt auch die Ähnlichkeit derRunen mit der ältesten phönicisch-griechischen Buchstabenreihein Betracht. In jenem Sinne nennt er die thracische die Wur-zel, und der Hauptbestandtheil des Buches ist eine Vergleichung
: ) Wir gebrauchen dafür germanisch, gewiss nicht aus falscher Ruhm-sucht, denn an sich ist eins so richtig oder unrichtig, -wie das Andere, sondernweil dafür, wenigstens bei uns, einiger Sprachgebrauch entscheidet. Da keinallgemeiner Name vorkommt, so wird man sich auch hier in die Eigentüm-lichkeit finden müssen, wornach grosse Völker so oft nach einem einzelnenmanchmal kleinen Theil benannt worden; die Deutschen verstehen unter langueallemande doch niemals die allomannische Sprache in Hebels Gedichten, son-dern ihre allgemeine. So sehr sich Dänen und Norwegen dagegen strauben,unter den Germanen begriffen zu werden, so bestimmt regt sich bei uns dasGefühl des Unpassenden, wenn die Schwaben, Franken, Niedersachsen undEngländer auch Gothen genannt worden.
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