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3 (1883)
Seite
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46 DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR.

auch ein anderes beruht offenbar auf einer Mythe, die in einemeddischen Gesänge, Thryms Quida, dargestellt ist. P. E. Müllertadelt es sehr mit Recht, dass dieses Lied (bei Syv I, 22) indie neue Ausgabe nicht aufgenommen ist, denn als eine absicht-liche Parodie des Eddaliedes kann es keineswegs betrachtetwerden, weil es schon 1591 von Wedel in seiner Ausgabe be-kannt gemacht wurde, ehe die ältere Edda handschriftlich nachKopenhagen kam. Es muss sich also bloss durch mündlicheÜberlieferung fortgepflanzt haben. Aber wie verhält sich derGeist dieser dänischen zu den altnordischen Gedichten? Wieist, wenn man einen Zusammenhang voraussetzt, der Übergangzu erklären, da sich auf den ersten Blick eine grosse Verschie-denheit und zwar beides in der Form und in der Weise derAuffassung offenbart? P. E. Müller erklärt sich hier sehr be-stimmt gegen eine in der Vorrede zur deutschen Übersetzungder Kämpe-Viser geäusserte Ansicht, wornach die altdänischenHeldenlieder schon zur Zeit der Edda- und Skaldengesänge(versteht sich in älterer Gestalt) vorhanden waren, so dass inbeiden sich die volksmässige und künstliche Poesie entgegen-setzte. Er sagt, dieser Gegensatz sei völlig ungeschichtlich undaus der deutschen Poesie fälschlich übertragen, im Norden habeer sich nie gefunden, wo ein jeder nach Massgabe seinerTalente ein Skalde gewesen, d. h. gedichtet habe, sogar aus demStegereif. Unrichtig ist gewiss in jener Behauptung, dass Edda-und Skaldenlieder zusammen genannt sind, als gehörten sie zueiner Klasse; der bezeichnete Gegensatz aber, der nicht aus-bleiben kann, sobald Künstlichkeit, Abmessung der Gedankenund Formen sich hervordrängt, findet sich gerade zwischendiesen einfachen in Fornyrdalag abgefassten epischen Gesängen,deren Dichter ja, so gut wie bei den wahrhaft epischen Liedernaller Völker, unbekannt sind, und jenen von namhaften Skaldenkunstreich, schwer und gesucht, deshalb nicht ohne Poesiegedichteten. Seitdem wir die Eddalieder von den Volsungenund Giukungen kennen, waren wir erst im Stande dies völligeinzusehen, und der Gegensatz wird wohl noch deutlicherwerden, wenn die Lieder des berühmten Thiodolf über dieselbenMythen mit jenen verglichen werden können. Schon oben bei