DIE ALTNORDISCHE LITTERATÜR. 47
der Ausgabe zweier Fragmente von ihm ist darauf aufmerksamgemacht. Dass aber jene einfachen Lieder schon zur Zeit derSkalden veraltet gewesen, kann aus vielen Gründen nicht be-hauptet werden. Übrigens wird man zugeben, dass Skalden,deren eigentliche Beschäftigung die Dichtkunst war, sich durchihren Stand vor den übrigen auszeichneten, die gelegentlich oderaus dem Stegreif ein Gedicht verfertigten. Welches geistigeElement eines Volkes hätte nicht, sobald es zu einiger Aus-bildung gelangt wäre, seine Vorsteher oder Repräsentanten ge-habt? einerlei, ob sie förmlich dafür anerkannt sind oder nicht.Die Erblichkeit der Kunst in gewissen Familien, von der manspäterhin Spuren findet, bestätigt es noch mehr. Auf dieseWeise nähern wir uns auch wieder sehr dem Gegner, welcherin den einfachen Dichtungen der altnordischen Zeit, besondersdurch Vermittelung der Dichtart, welche Runhenda heisst, dieSpuren von den Eigenthümlichkeiten der Kämpe-Viser wieder-findet, so dass die Verschiedenheit zwischen beiden so grossnicht mehr erscheint.
Im Jahre 1816 lieferte Nyerup auf der Grundlage früher- 30-hin in Zeitschriften mitgetheilter Abhandlungen ein Werk überdie dänischen Volksbücher (Almindelig Morskabsläsning iDanmark og Norge igjennem Aarhundreder. Kjöbenh. Wir ver-weisen auf eine Anzeige davon in den Heidelberger Jahrbüchern1817, No. 42, S. 665—670 [Kl. Sehr. II, Anhang S. 520—525]).Es gehört insofern hierher, als es Nachrichten von einigenaus dem Isländischen übergegangenen Dichtungen enthält. Völligaber in unseren Kreis fällt ein anderes Buch: Nyerups Wörter-buch der skandinavischen Mythologie. Mit einer Ein-leitung, eine Übersicht der Geschichte des Studiums der nor-dischen Fabellehre enthaltend. Aus der dänischen Handschriftübersetzt von L. C. Sander. Kopenhagen 1816. Die alpha-betische Ordnung gewährt auch hier die gewöhnlichen Vortheile;übrigens ist nicht bloss der Inhalt der jüngeren Edda umge-schrieben, sondern es sind auch andere Quellen benutzt unddie Resultate von den Arbeiten Suhms (in seinem gelehrtenBuche: om Odin), Thorlacius und anderer angegeben oder esist darauf hingewiesen, so dass man das Bekannte beisammen.