42 DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR.
wird niemand leugnen, der sich nicht absichtlich dagegensträubt: es liegt darin das Zarteste, Anmuthigste, Unschuldigstebis zu dem Stärksten, Gewaltigsten und Herbsten in mannig-fachen Vermischungen. Alle Grundlaute, die bei der Berührungeines edlen, reichbegabten Lebens erklingen, sind hier zu ver-nehmen; jede Gesinnung ist lauter, frisch und voll dargestelltund auch die fremdeste nicht widerwärtig; und von welchemköstlichen Humor sind sie oft durchdrungen! Ein eigenthüm-
licher Vorzug dieser Ausgabe besteht in den zugefügten Molo-ch O O O
dien, bei deren gewiss mühsamer Aufsammlung die Herausgebervon vielen Seiten sind unterstützt worden; über ihren Werthist nachzusehen, was in der dänischen Litteraturzeitung 1815No. 12 gesagt ist. Um sie recht zu verstehen, muss man wissen,wie Volkslieder gesungen werden, besonders, dass bei derFreiheit, womit die Melodie über den Worten hin und herschwebt und gar oft sich an keinen Text kehrt, sie mit den unszu Gebot stehenden musikalischen Zeichen so wenig vollständigkann aufgefasst werden, als die Mundarten mit den Buchstabender Schriftsprache. Ohne diese Erfahrung wird nach den blossenNoten sich niemand eine rechte Vorstellung von ihnen machen,27 noch ihren Werth völlig einsehen können. Sander, Auswahlaltdänischer Heldenlieder und Balladen mit Rücksicht auf dieMusik metrisch ins Deutsche übersetzt, Kopenhagen 1816, hatversucht jene Melodien uns noch näher zu bringen; dazu trägtauch wohl bei, dass sie von dem Musiker Kunzen eingerichtetund mit einer Begleitung versehen sind, allein der eigenthümlicheVolksgesang leidet auch darunter. Nach dem Beschluss desWerks, worin Nyerup über das kritische Verfahren und überdie benutzten Quellen genauen Bericht abstattet, folgt noch eineNachschrift von Rahbeck, worin dieser den glücklichen Gedankeneiner Geschichte der Kämpe-Viser oder des dänischen Volks-liedes ausführt. Es war auch hier ihr Schicksal, dass sie sichin den Kreis der Bürger und des gemeinen Volks zurückziehenmussten, während sie früher zur Freude der edelsten Geschlechtergehörten, ja eine dänische Königin (Sophie, Mutter Christians IV)den ersten Anlass zu ihrer Sammlung gegeben hatte. Nach■dem dreissigjährigen Krieg sank der Geschmack daran und war