36 DIE ALTNORDISCHE LITTERATÜR.
Helden unter den Ossianischen Namen verstanden sind, dagleich anfangs die Behauptung hingestellt war, es lägen diesenDichtungen wirkliche Thatsachen zu Grund. Lochiin ist daherNorwegen, Sora Jütland, unter Erragon ist Hadding gemeintusw. — Die ganze Schrift ist mit sichtbarer Neigung abge-fasst und mit grossem Fleiss ausgeführt, auch bleibt ihr Werthin Erörterung einzelner Punkte unbezweifelt, z. B. in dem, wasüber Thor, als deu eigentlich höchsten Gott des Nordens, ausden alten Quellen sowohl als aus dem Volksglauben zusammen-gestellt ist, oder über die Verehrung von Steinen; auch ent-halten die mit nicht gewöhnlicher Belesenheit abgefassten An-merkungen manchen Beitrag zum Verständnis des Alterthums.Dagegen aber ein recht entscheidendes oder fruchtbares Resul-tat scheint uns damit nicht gewonnen. Die angemerkten Ähn-lichkeiten überschreiten im Ganzen nicht die Linie des fastallen europäischen und asiatischen Völkern Gemeinsamen, undda, wo sie der Verf. weiter zu treiben sucht, indem er z. B. inden Ossianischen die besonderen nordischen Götternamenwiederfinden will, erscheinen sie zum wenigsten äusserst zweifel-haft und ungewiss. Es ist auch nicht wahrscheinlich, dasszwischen den Galen und Skandinaviern von ganz verschiedenenSprachstämmen je grössere stattgefunden, abgesehen, was äussereBerührung in einzelnen Punkten etwa hervorgebracht hätte.So merkwürdig jenes Gemeinsame an sich und so verdienstlichdas Zusammenstellen desselben im Grossen ist, so wird es dochbloss in einem einzelnen Volk hervorgesucht den rechten Ge-sichtspunkt verrücken und mehr oder weniger dahinter vermuthenund daraus schliessen lassen, als recht ist, denn dem Einenwird es zu wichtig, dem Anderen völlig grundlos erscheinen.Eine Vergleichung, wie diese Schrift sie vorhat, wird erst dannfruchtbar, wenn die Übereinstimmungen auf einer näheren Ver-wandtschaft beruhen, wie sie z. B. zwischen dem deutschenund nordischen Alterthum unbezweifelt stattfindet. Dann näm-lich entspringt eine gegenseitige Vervollständigung, indem sichauf der einen Seite manchmal in vollem Licht erhalten, wasauf der anderen nur noch leis schimmert oder ganz verdunkeltist, und wir werden der Erkenntnis des Ganzen wirklich näher