24 ÜIE ALTNORDISCHE LITTERATUR.
(bei der Ragnar-Lodbroks-Saga wird hernach zugegeben, dassdie Verbindung mit Aslauga alt sei), denn einiger Widerspruchin äusseren Dingen zeugt eben von dem Übergewichte desinneren Zusammenhangs, dieser Schluss ist an sich so misslich,als der gegen den Kesselfang (S. 318); denn kommen auchsonst .die Ordalien im Norden nicht vor, so kennt auch derauf uns gekommene altnordische Rechtssang: nicht die Mord-sühne (wohl aber der altdeutsche), welche in Otters Bedeckenmit Gold von der alten Mythe dargestellt wird. — Man darfbei der verschiedenen Ausbildung der Mythe nicht vergessen,dass allen dieselbe Idee unterliegt; die Anklänge also, die wirin der deutschen von der nordischen Recension und umgekehrtwahrnehmen, sind fürs Erste nicht durch äussere Umstände hin-übergetragen, sondern es sind eigene Töne, noch übrig, umdie ursprüngliche Einheit kund zu thun. Gerade so zeigt sichbei stammverwandten Sprachen die Fähigkeit, welche in dereinen sich ausgebildet, bei der anderen nur in schwachen Spuren.Wie will man sich z. B. die beim Marcellinus comes (unterJustinian), beim Chronographus Saxo und in einem späterenGedichte (s. die Zeugnisse im ersten Bande der AltdeutschenWälder und im dritten die Nachträge) wieder mit der nordischenübereinstimmende Sage von Attilas Tode sonst erklären? Auchdas nach dem Norden sich neigende Lied von dem hörnen Sieg-fried halten wir nicht für eine willkürliche Entstellung einesspäteren Bearbeiters, sondern für eine im Bewusstsein halb er-loschene einheimische Sage. Dass es eine lebendige Vereinigung16 der deutschen und nordischen gegeben, zeigen eben die so merk-würdige Hvenische Chronik, die Faröischen Lieder und dieKämpe-Viser, und der Verfasser hat Unrecht, wenn er dieseVermischung durch äussere Anlässe herbeigeführt glaubt. Vonbeiden Fällen, die er bei der Hvenischen Chronik annimmt,dass sie entweder willkürliche Bearbeitung von deutschen Sagensei, oder dass sie erst später durch die übersetzten Lieder imMunde des Volks sich gebildet, geben wir keinen zu. — Auchgegen die ungarischen Überlieferungen ist (S. 350) zu schnellabgesprochen, sie sind aus keiner Chronik oder sonst wohergeborgt, wie eine genauere Nachricht davon in den Altdeutschen