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3 (1883)
Seite
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22 DIE ALTNORDISCHE LITTERATOR.

des 9. Jahrhunderts bereits Dichterbilder aus dem Fabelkreisvorkommen, so war schon aus äusseren Gründen mit Sicherheitder Schluss zu ziehen, dass die Sage im Norden bereits in derfrühesten Zeit, so weit die Zeitrechnung geht, vorhanden ge-wesen. Allein der Verfasser bleibt dabei nicht stehen; er glaubt,dass der den Deutschen sowohl als den Nordländern gemein-schaftliche Grundstoff, aus den alten Wohnsitzen mitgebracht,älter als die Einwanderung der Äsen im Norden sei.Er erkennt auch, dass an eine historische Wahrheit, selbst wennein äusserer Schein dafür spräche, nicht zu denken sei. End-lich gibt er eine in jedem Falle sinnreiche Hypothese (S. 365 ff.)über den Ursprung der Mythe durch einen goldströmendenFluss und über die Verknüpfung derselben mit dem Rhein undAttila, durch welche Namen schon deutscher Boden bezeichnetwird. Er lässt nämlich die Sage nach und nach an einen dar-gebotenen Punkt sich anlegen und anreihen. Dieser ist aberdas Hervorsuchen des Erzes aus den Fluthen eines «joldreichenFlusses (des Rheins, in allgemeiner Bezeichnung eines Stroms).Die Menschen fragen bei der mühsamen Arbeit, wer das Goldin das Wasser geworfen? Die wahrscheinliche Antwort ist:Missgunst, die den Schatz entziehen wollte. Es entsteht dieweitere Frage: wer es gesammelt hatte? Jetzt kommt der aufdem Golde ruhende Fafner in die Sage. Der den Muth hatte,das Gold bei dem Drachen zu holen, musste ein von den Götternabstammender junger Held sein: damit tritt Sigurd in den Kreisusw. Diese Ansicht hat auf den ersten Blick etwas Einladendes,weil sie die Sache sehr begreiflich macht, aber es ist doch nichtzu leugnen, man erklärt damit den Inhalt der Mythe für etwasstückweise Entstandenes, an äusseren zufälligen VerhältnissenEntwickeltes; man betrachtet sie nicht als etwas aus einemlebendigen Mittelpunkt nach innerer Nothwendigkeit Erwachsenes.Sie hätte leicht unter anderen Zufällen einen völlig verschiedenenInhalt bekommen können; wenn man z. B. nur die ebenso na-türliche Idee gehabt hätte, das Gold sei vor Feinden in denFluss versteckt worden, so wäre die Frage gewesen: wer warendiese Feinde? wen verfolgten sie? Man muss dann auch be-haupten, dass, nachdem sie sich an allem dem, wovon sie gerade