Druckschrift 
3 (1883)
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

20 DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR.

Volsunga-Saga mit den entsprechenden Eddaliedern, auswelchen sie zum Theil einen Auszug enthält, zusammengestelltwird, sind auch diese berücksichtigt. Es ergibt sich, dassnoch ausser dem Karalied, dem alten Lied von Gudrun undeinem alten Hamdismäl, welche ausdrücklich genannt werden,auch ein Gesang von Sigurds Jugend und dem Zank der Köni-ginnen verloren ist. Die Abfassung der Volsunga-Saga wird indas 13. Jahrhundert, der Nornagests-Saga in die Mitte des14. Jahrhunderts gesetzt. Die eddischen Lieder in der Gestalt,in welcher sie auf uns gekommen, gehören in das 8. Jahrhundert;die ältere Grundlage, auf die sie selbst ausdrücklich hindeuten,muss zwischen das 4. und 6. Jahrhundert fallen. Das Völunds-lied ist für das älteste zu halten, dagegen wird behauptet, dasdritte Lied von Gudrun sei im 12. Jahrhundert erst abgefasst,gewagter ist die Vermuthung: von Sämund selbst. (GunnarsSlagr ist eine Nachahmung aus dem vorigen Jahrhundert.) Überdie Vilkina-Saga hat der Verfasser hier zuerst lang entbehrteUntersuchungen angestellt und viel Neues und Schätzbares be-merkt. Nach seiner Ansicht ist sie im 14. Jahrhundert zuBergen in Norwegen aus den Erzählungen deutscher dort sichaufhaltender Kaufleute von einem Isländer zusammengesetzt undmit einzelnen nordischen Zügen vermischt. Die Stellen, welchein der Sage selbst über ihre Quellen vorkommen, sind durchwichtige, hier zum ersten Mal mitgetheilte Varianten aus denHandschriften deutlicher geworden. Diese Ansicht von derEntstehung der Vilkina-Saga ist zwar bequem, die vorkommen-den Anklänge und Zusammenstimmungen mit der nordischenDichtung äusserlich zu erklären, darf aber noch nicht als eineausgemachte Wahrheit betrachtet werden. Wie manches bleibtzu bedenken; wenn z. B. behauptet wird, der geographischeIrrthum der Vilkina-Saga, wornach der Rhein und die Donauzusammenfliessen, könne nur von einem nordischen Bearbeiterherrühren, so lässt sich anführen, dass selbst in dem Nibelungen-liede, dessen Ausdruck doch ohne Vergleich sorgfältiger ist, als

genommene Stolle bezieht sich nicht auf den Wieland der Fabel, wilint heisstdarin nicht mehr als: weiland, olim.