16 DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR.
Mythen würde ein äusserer immer nicht überzeugend sein undallenfalls auch zur Seite können geschoben werden. Die zweiteAbhandlung ist eine gekrönte Preisschrift: Über die Wichtig-keit der isländischen Sprache (Kopenhagen 1813). Indemder Verfasser sich schon auf die von Rask gewonnenen Resul-tate stützen .kann, betrachtet er den mannigfachen Einflussder altnordischen oder isländischen Sprache auf die jetzigedänische. Die ganze Untersuchung ist mit Umsicht angestelltund durch viele einzelne Ausführungen belebt. Bei der Ver-gleichung der beiden Sprachen ergibt sich, wie sehr die neuerevon der alten gewinnen kann, theils durch eine geschichtliche11 Stärkung ihrer Elemente, theils weil von dieser das Verständnisder Eigentümlichkeiten, selbst nicht weniger einzelner Aus-drücke und Redensarten jener eröffnet wird; ja zu einem Ge-brauche der Volkssprache leitet die alte gemeinschaftliche Quellewieder an. Besondere Theilnahme wird erregt, wenn der Ver-fasser den Einfluss der alten Sprache auf Erforschung derältesten Begriffe und Anschauungen, der Mythen und Gesetzedarlegt: solch eine reine, von fremden Einflüssen ungestörteSprache vermag die Zeugnisse darüber am deutlichsten aufzu-bewahren. In dem bewegten, thatenvollen, fortschreitendenLeben erkennt der Norden seine Eigentümlichkeit, darum istder Begriff des Schnellen, Raschen auch der des Edlen, Rühm-lichen und Tapferen, und aus einer Wurzel entwickeln sichz.B. framr, kühn; frami, Ruf, Ehre; framaverk, Heldenthat;framadr, gelehrt, berühmt. Reichlich gewährt die alte SpracheAufschlüsse über die Archäologie, und manches Schätzbare isthier angemerkt, z. B. über die Kleidertracht. Dann dehnt derVerfasser, indem er des Zeugnisses gedenkt, das die Spracheüber die Herkunft des Volks enthält, den Blick aus, vergleichtdie isländische*) mit den merkwürdigsten älteren und zeigt ihreWichtigkeit nicht bloss für den verwandten germanischen Stamm,sondern auch für das Französische und das Latein des Mittel-alters. In einer dritten, bald darauffolgenden Schrift: Überden Ursprung und Verfall der isländischen Historio-
*) [Im Text steht »irländische«, ein offenbarer Druckfehler.]