Druckschrift 
3 (1883)
Seite
15
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DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR. 15-

ex manuscriptis legati Arnamagnaeani cura R. K. Raskii editum.Praefatus est P. E. Müller. Es hält die rechte, natürliche Mittein der Aufnahme der poetischen Ausdrücke, die nur ein be-sonderes Werk ganz umfassen kann, und besitzt jenen Grad vonVollständigkeit, welcher kein Wort aus einem prosaischen Werkedes goldenen Zeitalters vergeblich suchen lässt.

Von Peter Erasmus Müller erschienen mehrere Abhand-lungen und Untersuchungen, welche die Kenntnis des nordischenAlterthums förderten. Sie zeugen sämmtlich von dem freien,umsichtigen Blick eines durch mannigfache Kenntnisse gebildetenGeistes, der die Hauptpunkte vor allem ins Auge fasst; dabeihaben sie etwas Ansprechendes und Eindringliches, so dass manan die Weise erinnert wird, in welcher unser Herder das Alter-thum zu betrachten pflegte. Die erste kleine Schrift: Überdie Echtheit der Asalehre und den Werth der Snor-reschen Edda. Aus der dänischen Handschrift übersetzt vonL. C. Sander. Kopenh. 1811 (das Original: »om Authentien afSnorres Edda« befindet sich in den Schriften der Skand. Litt.-Gesellschaft 1812) gibt einestheils Aufschlüsse und gute An-merkungen über die äussere Entstehung' und Litteratur derjüngeren Edda, so dass, wenn man Nyerups vorhin genannteAbhandlung damit verbindet, eine ziemlich vollständige Einsichtdarüber erlangt wird. Die jüngere Edda ist darnach ein vonmehreren überarbeitetes, manchmal vermehrtes Werk, das denZweck hatte, Dichter über ihre Kunst zu belehren. Andern-theils macht diese Schrift den Versuch, die vielfach angefochtene .Echtheit der Asalehre durch äusserliche, aus der jüngeren Eddaselbst geschöpfte Gründe darzuthun. Die Kenningar nämlichenthalten fünfhundert Bruchstücke, die einer Reihe von etwaachtzig namhaften Dichtern angehören; einige dieser Skaldenverlieren sich in das Heidenalter, aber von den meisten weissman mit Gewissheit, zu welcher Zeit sie gelebt haben. DieseBruchstücke aber enthalten Anspielungen auf die Mythologie,welche demnach nicht erst später kann erdichtet und erfundensein. Was wir hierbei anzumerken haben, ist in den Heidel-berger Jahrbüchern 1811, No. 49. 50 [= Kl. Sehr. II, S. 1432]gesagt. Der innere Beweis geht doch über alle andere, undohne das Gefühl für das Leben und die Wahrheit der alten