12 DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR.
Thorgils Thaten im Auslande verliehen wird, während das Ein-heimische schlicht und ohne solche Beihilfe der Phantasie er-zählt wird. Thorgil war das Bild eines edlen nordischen Helden^und überhaupt lernt man Sitten und Gebräuche seiner Zeit vonmancher Seite kennen: das Verhältnis zwischen Eheleuten,Herrn und Dienern, die Erziehung der Kinder. Zu dem Merk-würdigsten gehört die Erzählung von Thorgils Aufenthalt inGrönland (Kap. 20—25), wo man gar wohl die Wahrheit derAnschauung zwischen den wunderbaren Träumen und Hexeo-erscheinungen erkennt. x )
In dieser Zeit war auch die neuere dänische Poesie in ihreBlüthe getreten und zeigte eine vorher nicht gekannte Kraft,'Freiheit und Bildung. Eine Einwirkung der deutschen ist da-bei nicht zu verkennen, doch in jenem edleren Sinne zu ver-stehen, in welchem das gegenseitige Heranbilden nahverwandterVölker als etwas Wünschenswerthes erscheint. Es ist natürlich,dass die innerlich gehaltreiche, so viele poetische Züge schon■entgegenreichende, einheimische Sagengeschichte und Mythologieals Stoff ergriffen und bearbeitet wurde, und dass dieses wiederEinfluss auf genauere und lebendigere Bearbeitung hatte. Sogab Nyerup mit gewohnter Aufmerksamkeit auf die Richtungder Zeit eine Übersetzung der jüngeren Edda desSnorre ins Dänische heraus (Edda eller Skandinavernes he-denske Gudeläre. Kiöbh. 1808), wie es in der Zueignung aus-drücklich heisst: zu besserem Verständnisse von Oehlenschlägersnordischen Dichtungen. Dennoch bleibt sie auch dem Gelehrtennothwendig, denn ihr liegt, meist durch die Bemühungen vonRask, ein viel besserer und richtigerer Text zu Grunde, alswelchen die ohnehin seltene Resenische Ausgabe darbietet. Zuähnlichem Zwecke lieferte gleich darauf Nik. Fr. Sev. Grundtvigeine Übersicht der nordischen Mythologie für Gebildete (Nor-dens Mytologi eller Udsigt over Eddalären for dannede Mänd,
J ) Von Erik dem Rothen, welcher in diesen Kapiteln gleichfalls vor-kommt, hat B. Thorlacius nach gedruckten und handschriftlichen Quellen,"worunter auch eine Saga Eireks rauda ist, besonders gehandelt in einerakademischen Schrift: de Erico Rufo Grönlandiae seculo Xmo inventore; wiederabgedruckt in des Verfassers opusc. academ. T. II, p. 119—132.