DIE ALTNORDISCHE LITTERATUR. 11
gestellt, überhaupt erhält man von dem öffentlichen Leben, denSitten und Gebräuchen die klarste Anschauung. Welche gross-artige, edle Gesinnung bricht hier mitten durch die Verwilde-rungen eines meist auf die blosse Naturkraft gestützten Lebens!Es ist nichts mehr zu wünschen, als dass aus jener Zeit unsDeutschen auch ein solches reiches Bild zugekommen wäre. DieUrschrift, welche, wie schon oben bemerkt ist, im Jahre 1772herauskam, war von Olaus Olavius bearbeitet; die lateinischeÜbersetzung und das ganz treffliche Wörterbuch rührt vonJoh. Jonsonius, die kritische Vorrede von Thorlacius her; über-haupt ist die ganze Behandlung musterhaft. — Die Egils-Sagabefasst hauptsächlich das Leben Egills, doch fängt sie schonbei seinem Grossvater an, greift auch überall in die Geschichtedes Landes ein. Sie ist an sich ungemein merkwürdig undlehrreich, man sieht hier deutlich, wie weit und auf welcheWeise das wunderbare Element den Sagen sich beimischte, damit unbezweifelten Thatsachen manches Übernatürliche verbundenist, z. B. was von der gegen Gift schützenden Kraft der Runenvorkommt; die Gesinnung jener Zeit wusste sich aber nichtanders auszudrücken. Voll poetischer Wahrheit und eigenthüm-lich ist die Erzählung, wie Egill im Schmerz über den Verlust ieines geliebten Sohnes sich mit seiner Tochter hinlegt, um zuverschmachten, und beide wieder von dem Vorsatz abgewendetwerden. Der index rei antiquariae und das glossarium sindnoch zurück. — Die unter dem Namen Floamanna-Sagabekannte Geschichte Thorkils und seiner Vorfahren über-setzte Birger Thorlacius (der Sohn) ins Dänische. (En NordiskHelt fra det tiende Aarhundrede, Thorgils kaldet Orrabeens-Stiefsöns Historie. Kiöbenh. 1809. Auch in den Schriften derSkandinav. Litt. - Gesellschaft von 1808.) Einleitung und An-merkungen dazu lieferte Thorlacius d. V. Die Sage selbst fälltins 10. Jahrhundert und ist spätestens im Anfange des 14. Jahr-hunderts aufgeschrieben. Ihr Inhalt ist wichtig und die Dar-stellung anziehend, doch erkennt man eine spätere Zeit in derArt, womit das Übernatürliche eingemischt ist; es greift hierschon mehr in die Begebenheiten ein und erscheint, obgleichmit vollem Glauben daran, als ein Schmuck, welcher besonders