Druckschrift 
3 (1883)
Seite
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4 DIE ALTNORDISCHE LITTERATÜR.

1799 enthält zwei Bruchstücke aus Höstlang von dem be-rühmten Skalden Thiodolf von Hvine. Das erste redet vondem Kampfe Thors und Hrungers, das zweite von dem Raubder Idunn und dem Tod des Thiasse durch Thors Blitze; dasGanze befasste ohne Zweifel die Mythen von Thor. Das Ge-dicht lässt sich mit Gewissheit in die Mitte des 9. Jahrhundertsversetzen, da Thiodolf am Hofe Harald des Haarschönen lebte;schon deshalb ist es ungemein merkwürdig, indem es zeigt, wiebereits zu jener Zeit sich eine kunstreiche und gelehrte Poesiedes Sängerstandes ausgebildet hatte, die zu den einfachenepischen Weisen, in welchen eben das Mühlenlied und andereeddische Gesänge, deren Urheber man nicht kennt, gedichtetsind, einen bestimmten Gegensatz bilden musste. Das siebenteSpecimen vom Jahre 1802 ist nicht weniger inhaltsreich. Zu-erst wird aus dem Vormischen und königlichen Codex derjüngeren Edda, richtiger und vollständiger als er bei Resen ab-gedruckt worden, der Mythus von Thors Fahrt nach Geirroda-gardur mitgetheilt. Dann folgt ein zusammenhängendes Bruch-stück, soviel sich nämlich in den Handschriften erhalten, voneinem Gedichte des Eilifr Gudrunarson über diese Fabel, wel-ches unter dem Namen Thorsdrapa bekannt ist. Der Dichter,der im 10. Jahrhundert lebte und zwischen 988 und 996 dasGedicht verfertigte, ist schon so schwer zu verstehen durchdie beständigen, gelehrten Umschreibungen, die eine genaueKenntnis der Mythologie voraussetzen, sowie durch die ver-wickelte Construction, dass der Scharfsinn des Herausgebersdazu gehörte, um sich durch diese Irrgewinde (Thoriani hujuspaeanis giganteos fere maeandros, wie er am Schlüsse selbstsagt) durchzuhelfen. Die Anmerkungen sind musterhaft, vollfeiner Beziehungen auf die Sprache und Mythologie überhaupt;dahin gehört z. B. was über die verschiedenen Bedeutungen desLoke gesagt wird. Das specimen septimum schliesst die Reihedieser schätzbaren Programme 1 ); indessen ist noch einer anderen,

l ) Es wäre sehr zu wünschen, dass Thorlaeius der Sohn eine neue Auf-lage dieser schwer zu erhaltenden Gelegenheitsschriften veranstaltete. Schon1779 erschien das erste Specimen, in den folgenden zeichnet sich eine Ab-handlung über das altnordische Ehereeht, verglichen mit dem römischen,aus; die Anmerkungen enthalten einen Schatz von Erläuterungen der alten