Geschichte der Griechen,432des Volkes; seine überwiegende Beredsamkeit und dasVertrauen der Bundesgenossen, das Athen durch Aristi-des und Cimons Verwaltung erworben hatte, brachte ihnin den Besiz der Schäze, welche zur Bestreitung der Ko-sten des Krieges, wie wir oben erzählt haben, von denverbündeten Griechen durch jährliche Steuern erhoben,und auf der Insel Delos niedergelegt waren. DieseSchäze wurden nach Athen gebracht, und theils zur Ver-schönerung der Stadt, meistens aber zur Bestechungder niedern Klassen des Volks angewandt; die Rich-ter, nach Solons Verfassung aus den geringsten Bür-gern gewählt, erhielten für ihre Gegenwart in denGerichtshöfen Taggelder; selbst der Besuch der Schau-spiele wurde bezahlt, und bei den Zusammenkünftendes Volks erhielt jeder Anwesende einige Obolen; durchdiese Kunstgriffe gewann Perikles bald die Menge fürseine Absichten. Unter grundlosem Vorwand zerstörteer nun die Macht des Areopagus, der bisher als ober-stes Sittengericht über die Staatsverfassung gewachthatte. Vergebens suchte Thucydides, Cimons Schwa-ger, die sinkende Parthei der obern Klassen der Bür-ger zu beleben; seine Beredsamkeit bekämpfte oft sieg-reich die Entwürfe des Perikles, und hielt dessen Ehr-geiz in Schranken, aber auch er ward bald durch denOstracismus verbannt; von diesem Zeitpunkt an wa-ren die Reichen durch die Furcht vor der dem Peri-kles ergebenen Volksmenge unterjocht, das Volk selbstaber durch die Künste der Verschwendung, durch Nach-giebigkeit und Billigung ſeiner Launen, und durch dieBeredsamkeit seines Lenkers dahin gebracht, daß esblindlings seinem Zügel folgte, der durch die republi-kanischen Formen unsichtbar um so sicherer wirkte. Soverwandelte Perikles allmählig die Staatsverfassungvon Athen in eine Monarchie, deren Beherrscher erwar, ohne den in Griechenland verhaßten Namen ei-es Königs zu führen.Wäh-
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