151Vierzehnter Abschnitt.Himmelsstrich und ein fruchtbarer Boden dem Fleißelohnen, Weisheit in trefflichen Gesezen ausgesprochen,Tugend als Quelle der Glükseligkeit geübt wird, unddurch das seltene Zusammentreffen dieser Wohlthatendie Quellen des Lebens ungestört fließen.Doch das Glük, welches die Pythagoräische Schu-le über Großgriechenland verbreitete, ward nach einemZeitraume von vierzig Jahren durch blutige Fehden zwi-schen Sybaris und Crotona, und nachdem die erste dieserStädte von Grund aus zerstört war, durch innerlicheUnruhen zu Crotona selbst getrübt, in welchen vieleobrigkeitliche Personen und die Blüthe der Jugend un-ter dem Schwert des Aufruhrs fielen, oder aus derStadt getrieben wurden. Dieser Aufruhr, zu dem dievon der niedrigsten Volksklasse zu Crotona geforderte,und von den Machthabern abgeschlagene Vertheilung deseroberten Gebietes von Sybaris die nächste Veranlassunggab, scheint jedoch hauptsächlich gegen die Schüler des Py-thagoras gerichtet gewesen zu seyn, deren Versammlungs-säle fast zu gleicher Zeit in vielen Städten von Großgriechen-land zerstört und verbrannt wurden. (I. 509 v. C.G.) Es würde schwer seyn, die Ursache dieser fastallgemeinen Verfolgung einer Lehre aufzufinden, diewirkliches, nicht ideelles Wohl der Menschheit als Grund-saz aufstellte, und den Menschen durch Selbsterkennt-niß und tägliche Prüfung seiner eigenen Handlungenzum richtigen Urtheil über den Werth der Handlungenseiner Mitbürger leitete, die auf dem Wege der Ent-haltsamkeit und Mäsigung würdige Vorsteher der Ge-meinwesen zu bilden, nicht nur beabsichtete, sondernsolche Männer wirklich bildete, wenn nicht auch hierHerrschsucht und ungeregelte Leidenschaften jene Be-schränkung unerträglich gefunden hätten, welcher sichder tugendhafte Mensch gern unterwirft, der die höch-ste Belohnung seines Daseyns im innigsten Gefühl fürWahr-
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