Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
99
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Eilfter Abschnitt.99den ehrenvollen Namen: der Gerechte.Reichthumhatte keinen Reiz für ihn, er starb so arm, daß er aufKosten des Staats begraben wurde.Themistokles besas dagegen einen sehr gefährlichenCharakter. Auch bei ihm schien das Wohl des Vater-landes der höchste Zwek; sein Geist umfaßte jedenZweig der bürgerlichen und kriegerischen Einrichtungendes Staates; sein schneller und richtiger Blik auf denGegenstand war verbunden mit hinreissender Beredsam-keit, er leitete unwiderstehlich den Ausspruch der Volks-versammlungen, er überlistete da, wo es auf den Vor-theil des Vaterlandes ankam, ohne Rüksicht auf Recht-lichkeit, Verbündete und Feinde, aber er ist nicht freyvon dem Vorwurfe, daß er sich die Oberherrschaftüber Athen zu verschaffen gesucht habe. Selbst zuder Zeit, wo er in der Schlacht bei Salamis die per-sische Flotte vernichtete, war er in Unterhandlungenmit dem Xerxes, der ihm auch in seinem Lande eineFreistatt gab, als er von Athen verbannt wurde.Aristides schöpfte aus dem Charakter des Themi-stokles die lebhafteste Besorgniß für die Freiheit desVaterlandes. Er widersezte sich allen Entwürfen des-selben, die seine persönliche Erhebung angiengen; oftbewarb er sich um die nämliche Würde, die Themi-stokles zu erhalten strebte, aber er überließ diesem Ne-benbuhler gerne den Befehl über die Flotte, durchwelche die von Miltiades angefangene Eroberung derInseln des ägäischen Meeres vollendet werden sollte,indem er mit großer Thätigkeit an dem innern Glükdes Staates durch Gerechtigkeit arbeitete. Bald warddie Entscheidung des Aristides Gesez für die Gerichts-höfe, bei jedem wichtigen Vorfall wurde er zumSchiedsrichter gewählt, und bald war jedes Auge aufden gerechten Aristides gerichtet. Dies beleidigte denG 2Stolz