Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
97
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Zehnter Abschnitt.97ge aus dem vor der Stadt liegenden Tempel der Ce-res das Bild der Gottheit nicht weggenommen wäre.Miltiades begab sich zu dem Tempel, und da er dieThore verschlossen fand, stieg er über die Mauer.Doch als er sich dem Innern des Tempels nahte, be-fiel ihn plözlich eine Angst; er kehrte um, und indemer über die Mauer sprang, verrenkte er sich denSchenkel. Durch die Krankheit des Anführers sankder Muth des Heeres, das jezt nach Athen zurükse-gelte. Die Athener waren über diesen verunglüktenZug äuſſerſt aufgebracht; ſie vergaßen ſchnell, daßMiltiades das Vaterland gerettet hatte. Er wardöffentlich der Bestechung angeklagt, und da ihn seineWunde hinderte, sich selbst zu vertheidigen, ward erverurtheilt, in das Barathrum geworfen zu werden.Dies war die gewöhnliche Strafe der Staatsverbre-cher. Doch in Rüksicht seiner großen Verdienste ver-wandelte man die Todesstrafe in eine Geldbuße von50 Talenten, die nach unserm Gelde beiläufig hundert-tausend Gulden betrugen. So viel war nämlich aufdie Unternehmung gegen Paros verwendet worden.Miltiades war nicht reich genug, diese Summe zu be-zahlen. Seine Wunde verschlimmerte sich durch denGram über den Undank seiner Mitbürger; er starb,wie Plato sagt, in seinem Hause. Die Athener ver-boten, den Leichnam zu begraben, bis die dem Ver-storbenen auferlegte Geldbuße bezahlt sey. Cimon,sein Sohn, brachte durch seine Freunde soviel zusam-men, daß er die fünfzig Talente bezahlen, und seinernVater ein ehrenvolles Begräbniß verschaffen konnte.Miltiades erhielt erst nach fünfzig Jahren ein Denk-mal, das seiner würdig war. Der Senat befahl näm-lich dem Polygnotus, dem berühmtesten Mahler dieserZeit, die Schlacht von Marathon zu mahlen. Hierward Miltiades im Vordergrunde des Gemähldes abge-bildet, wie er das Heer zur Schlacht ermunterte.Inden