Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
62
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62Geschichte der Griechen,gierung, ward besonders durch die jährlich wechselndenObrigkeiten, und die manchfaltigen Leidenschaften der-selben der Auflösung nahe gebracht. Der Handel, be-günstigt durch die Nachbarschaft des Meeres, hatte dieBürger von Athen bereichert, aber neben dem Reich-thum stand drohend die unterdrükte Armuth. Diewenigen geschriebenen Geseze, die meistens noch vonTheseus verfaßt waren, reichten nicht hin, das Lebenund Vermögen der einzelnen Personen gegen Willkührund Leidenschaft zu schüzen, und der Staat sah sich indie Nothwendigkeit versezt, eine gänzliche Veränderungin der Rechtspflege vorzunehmen. Man wählte zudiesem wichtigen Geschäft den Draco, einen Mann vonanerkannter Rechtlichkeit, der aber diesem Unternehmennicht gewachsen war. Er veränderte die Staatsver-fassung nicht, aber die Rechtspflege, die dem Charakterdes Volkes angepaßt seyn sollte, richtete er mit einerStrenge ein, die der menschlichen Natur unerträglichwar. Die geringsten Vergehungen wurden gleich denschwärzesten Verbrechen mit dem Tode bestraft. DieseVerordnungen wirkten in der That dem Zwek des Ge-sezgebers entgegen, denn bey geringen Verbrechen mochteNiemand Kläger seyn, die Richter selbst, menschlicherals Draco, suchten die Klage zu beseitigen, und nunblieben alle Verbrechen, die nicht ganz empörend waren,unbestraft.Durch Dracos Geseze ward folglich dem Uebelnicht vorgebeugt, das täglich weiter um sich greifendeine gänzliche Auflösung befürchten ließ. Aufruhr inAthen selbst, wo einer der ersten Bürger, Cylon, sichder Burg bemächtigte und die Unterwerfung seiner Mit-bürger zur Absicht hatte; Widerstand der Athener,Belagerung der Burg, Cylons Flucht, Ermordung seinerAnhänger, die durch das Versprechen allgemeiner Ver-zeihung aus ihrem Zufluchtsort, dem Tempel der Mi-ner-