59Sechster Abschnitt.des Orakels, die Felder wurden verheert, und allesEigenthum der Crissäer zerstört. Aber diese ver-schlossen sich in ihre Stadt, und trozten neun Jahreallen Anstrengungen der Belagerer. Sie erhielten von derSeeseite Zufuhr von frischen Lebensmitteln, dagegen wur-den die Belagerer von einer bösartigen Krankheitbefallen, die eine große Anzahl aufrieb. In die-ser Noth befragten die Amphictyonen das Orakelabermal. Es ward ihnen geboten, aus der InselCos ein Hirschkalb mit Gold zu holen. Manschikte sogleich Gesandte dahin. Als diese den Zwekihrer Sendung vorgetragen hatten, stand ein angesehe-ner Bürger auf, und erklärte den Sinn des Orakels.Ich bin das Hirschkalb, sprach er, (sein Name war Ne-bros, welches in der griechischen Sprache =Hirschkalbebedeutet) und mein Sohn Chrysos (das griechische Wortfür Golde) hat den Preis der Stärke, des Muthes,und der Schönheit vor allen Mitbewerbern davon ge-tragen. Nebros war ein Abkömmling von Aesculap,und ein Ahn des Hippokrates; er trieb die in seinerFamilie erbliche Arzneikunst mit vielem Glük, und warin der That der Mann, der das durch Krankheit be-drängte Heer der Amphiktyonen retten konnte. Er be-frachtete sogleich ein Schiff mit den kostbarsten Arz-neien, und segelte, begleitet von seinem Sohne, mit demGesandten ab. Nicht lange nach seiner Ankunft warddurch Zufall die Wasserleitung der Crissäer entdekt.Nebros vergiftete dieselbe, und bald merkten die Be-lagerer an der Abnahme des Widerstandes die tödtlicheWirkung des Giftes. Die Stadt ward mit Sturmerobert, geplündert und verbrannt, die Bewohner wur-den für ihre Verbrechen nach dem Ausspruch des Ora-kels bestraft.Noch war dieser Ausspruch nicht in seinem gan-zen Umfange vollzogen, denn noch war die Stadt Cir-rha, die Theilnehmerin an dem Tempelraube, unbestraft.Ihre
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