Druckschrift 
Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
Seite
149
Einzelbild herunterladen
 

Slavische Stenographie. 140

Sprache tauge, dass daher jeder Versuch, eine eigene slavische Stenographiezu schaffen, zu gestatten sei, wenngleich einstweilen die Propaganda für denTesnopis fortgesetzt wurde. Mit der Schaffung einer neuen slavischen Steno-graphie hat sich in besonderer Weise Anton Krondl in Brunn beschäftigt,und man darf wohl annehmen, dass der Beschluss des Brünner Stenographen-tages seinem Einflüsse zuzuschreiben ist. Nach den in der Zeitschrift Vestniktesnopisny 1890 veröffentlichten Vorschlägen desselben ist eine durchgängigeVertauschung der Lautwerte des Alphabets beabsichtigt, wie:

Gabelsberger: u ur b w a vi d r k ge l o h g n ngKrondl: c c d h j k Imnpsäöt z z

Gustav Hala veröffentlichte 1882 zu Prag eine vollständig bezeich-nende Lautschrift für die czechische Sprache, Heinrich Bender in Lunden-burg wendete 1886 Faulviami's Vollschrift auf die czechische Sprache an.Von den übrigen deutschen Systemen ist das Roller'sche 1887 auf dieczechische Sprache übertragen worden.

Auf die polnische Sprache hatte Bot. Kwasnieivski das Stolze'scheSystem anzuwenden versucht, indem _er in Michaelis'' Zeitschrift für Steno-graphie und Orthographie 1857 eine Übertragung veröffentlichte; in Preußenhatte jedoch eine polnische Stenographie keinen Boden. Dagegen machte dieEinberufung des galizischen Landtags eine polnische Stenographie zum Be-dürfnis. Mit einer solchen beschäftigten sich gleichzeitig Lubin Olewinskiund Josef Polinski. Statt gemeinschaftlich an dem Problem zu arbeiten,rivalisierten sie, und da Olewinski sich streng_ an das Gabelsberger'scheSystem hielt, schloss sich Polinski, um das Übergewicht zu bekommen,an den TSsnopis an. Als daher Olewinski in einer »den stenographierendenSlaven« gewidmeten Brochure ein gleichmäßiges Vorgehen auf Grund desGabelsberger'schen Systems empfahl, antwortete der I. Prager Stenographen-verein in ablehnender und die Übertragung Olewinski's verurteilender Weise.Noch weiter vom Gabelsberger'schen System entfernte sich die Übertragungvon Suchecki (H. Gr. S. 360). Seit Olewinski's Tode ist der Streit in Still-stand gerathen, Polinski behauptete das Feld, zumal Suchecki als Eisenbahn-beamter in Wien für seine Übertragung nicht eintreten konnte, aber auchdie Verbreitung der Stenographie in Galizien ist in Stillstand gerathen.

Auf die slowakische Sprache wurde die Gabelsberger'sche Steno-graphie von Emil Cemy 1868, auf die wendische Sprache dieselbe vonMichael Hornik in Bautzen übertragen; beider Übertragungen blieben theo-retische Versuche.

In Kroatien machte die Einberufung des Landtags eine Stenographiezur Notwendigkeit. Der Gabelsbergerianer Professor Franja Magdic nahmdie Verhandlungen desselben mit seinen Schülern auf, eine 1864 erschieneneÜbertragung lehnte sich dem Prager TSsnopis an.

Die Slovenen blieben mit der Stenographie länger als die übrigenSlaven zurück, da in der ersten Zeit auf dem Landtage zu Laibach deutschgesprochen wurde. Erst nach dem Siege der slovenischen Nationalpartei1868 wurde eine slovenische Stenographie zur Notwendigkeit. Die erstenslovenischen Stenographen, Tansek und Dr. Stevipihar, haben ihre Steno-graphie nicht veröffentlicht. Professor Hafner, der eine sich eng an dasGabelsberger'sche System anschliessende slovenische Stenographie ausge-arbeitet hatte, konnte dieselbe nicht veröffentlichen, da die Matica slovenska, ,welche das Buch drucken lassen wollte, die Arbeit dem I. Prager Steno-graphenverein zur Begutachtung vorlegte, von diesem eine abfällige Kritikerhielt und von der Herausgabe derselben absah. Unterdessen hatte sich