Quellen zur Geschichte der Stenographie.
Quellen zur Geschichte der Stenographie.
Die Quellen zur Geschichte der Stenographie bestehen einerseits inden Lehrbüchern, anderseits in den Nachrichten über die Erfinder vonKurzschriften und über die Anwendung der Kunst.
Die ersten Nachrichten über die Schnellschreibkunst lieferten derrömische Grammatiker Marcus Valerius Probus (i. Jahrb.), die Kirchen-geschichte des Eusebius (2. Jahrh.) und der spanische Bischof Isidor(6. Jahrh.). Eine Zusammenstellung der Nachrichten der Alten über dieSchnellschreibkunst gab im 16. Jahrh. der gelehrte Belgier Joest Lips(Justus Lipsius) in seinem 27., an P. Leonardo Lessius gerichteten, Briefe.Dieser Brief ist von den späteren Geschichtsschreibern der Stenographiefleißig und meist kritiklos benutzt worden, obgleich sein Verfasser, da erdie altrömische Schnellschrift nicht kannte, eine Unterscheidung zwischenschnellem Schreiben und zwischen eigentlicher Kurzschrift zu machen nichtin der Lage war.
Den ersten Versuch einer Geschichte der neueren Stenographie lieferteim 17. Jahrh. der englische Lehrer Elisha Coles in seinem Lehrbuche derStenographie, indem er die vor ihm aufgetretenen Stenographie-Erfinderaufzählte und eine Tafel mit Alphabeten gab. Im 18. Jahrb. gab dergelehrte Philip Gibbs in seinem Lehrbuche eine Geschichte der Steno-graphie der Alten. Ihm folgte Angell mit einer geschichtlichen Einleitungin seinem Lehrbuche, welche den berühmten Samuel Johnson zum Verfasserhaben soll. In der Folge pflegten öfter Verfasser von Lehrbüchern geschicht-liche Einleitungen zu geben.
Das erste selbständige Werk über die Geschichte der Stenographieveröffentlichte James Henry Lewis 1815, der eine reiche Zahl von Lehr-büchern der Stenographie gesammelt hatte und sein Werk mit 73 Alpha-beten stenographischer Systeme schmückte. Zwar behauptete Roffe, dereigentliche Verfasser dieser Geschichte sei Hewson Clarke gewesen, dochwar dieser wahrscheinlich nur der stilistische Helfer, denn die in diesemBuche enthaltenen Urtheile über die Systeme konnte doch nur ein Steno-graph liefern.
Die erste deutsche Geschichte der Stenographie findet sich in demLehrbuche des Archivrathes Leichtleu (1819), die erste französische beiFoss6 (1829), letztere wurde vom Major Iwanin in seinem Lehrbuche derrussischen Stenographie verwendet. Auch Gabelsbcrger und Stolze schicktengeschichtliche Einleitungen ihren Systemen voraus.
Ein selbständiges Werk über französische Stenographie verfasste dasMitglied der Societe des Methodes d'Enseignement, Scott de Martinville;es wurde 1849 von Tondeur herausgegeben. 1855 folgte Dr. Franz JuliusAnders mit einer deutschen Geschichte der Stenographie, welche sich aufselbständige Studien stützte und mit der leider wenig beachteten Bemerkungschloss: »Nur die Geschichtsforschung bewahrt vor Einseitigkeit, machtduldend gegen Andersdenkende und empfänglich für das Gute, was dieselehren. Die Mutter der Intoleranz aber heißt Einseitigkeit.« Gestützt aufdie reichhaltige Bibliothek des königl. stenographischen Institutes zu Dresdenschrieb Dr. Julius Waldemar Zeibig 1863 eine »Geschichte und Literaturder Geschwindschreibkunst«, welche besonders die Nachrichten über dieGeschwindschrift der Alten kritisch beleuchtet und ein reiches Literaturver-zeichnis enthält; die zweite Auflage (1874) brachte auch Schriftproben. Für