158 Die Stenographie im 19. Jahrhundert.
um die Schrift verständlich zu machen, wie dies bei den Transscriptionenin Lateinschrift geschehen ist.
Über die Einführung der Stenographie bei den In di an er stammenim Nordosten von Amerika berichtet der Missionär R. P. Le Jeune, dass,als im Juli 1890 sich die wichtigsten Missionäre um Monsignore Durieuversammelt hatten, die Rede auf die Schwierigkeit kam, die bei den In-dianern gebräuchliche Silbenschrift auf die Sprache aller Stämme anzu-wenden, da ein Stamm die des andern nicht versteht. Da äusserte einMissionär; »Warum versucht man nicht die Stenographie, deren Zeichen soeinfach sind?« Der Bischof billigte dies, und Le Jeune versuchte mit Erfolgdie Anwendung der Dußloyersehen Stenographie auf die Indianersprachen,wozu der Papst 1893 die Genehmigung ertheilte. Es giebt über 300 imLande zerstreute Indianer, welche diese Stenographie kennen; sie schreibeneinander und unterrichten einander.
Blindenstenograpliie.
Die Blinden, welche durch Betasten erhaben gedruckter Buchstaben Ge-drucktes entziffern, finden eine Schwierigkeit in den langen Wörtern derCurrentschrift. In England gab Lucas 1850 ein System of Teaching Blindto Read heraus, welches erhabene stenographische Zeichen mit Abkürzungenenthielt. Goivring veröffentlichte eine Bibel in dieser Schrift. Gleiche Be-strebungen verfolgten James Hatley Frere 1850, Edmund C. Johnson 1853,Dr. S. G. Hoive in Boston, Wm. Moons, BelVs Universal Writing, 1S70,Broivn und Holland in den Shorthand News 1883.
3£usi7calische Stenographie.
Dem Gedanken, die Musik in gleicher Weise aufzuzeichnen wie die Reden,soll schon Bordley in seinem Cadmus Britannicus 1787 Ausdruck gegebenhaben; er wurde später von dem Engländer J. Austin, von dem FranzosenPrevost und von dem Deutschen Baumgartner wieder aufgenommen, welchletzterer das Gabelsberger'sche System zu Grunde legte und auch dessenKürzungen auf die Musikstenographie übertrug. Diese und andere Versuchehat jedoch Edi-sorts Phonograph überflügelt, der statt der Zeichen die Stimmenselbst wiedergibt.
Litteratur.
J. Austin, A System of Stenographic Music., Glasgow (1820). HippolyteFrevost, Stenographie musicale, Paris o. J. Ders., Musikalische Stenographie,Paris und Leipzig. Ders., Stenografia musicale (ital.), Paris. Dass. englisch von R.Lincoln, London 1849. De Staines, Musicography, 1839. Herslowe, Phonodion in thePhonarthron, 1840. Parkhurst in The Plowshare, 1852. (Baumgartner), KurzgefassteAnleitung zur musikalischen Stenographie, München 1853. Thomas Roberts, MusicalShorthand, 1875. Wallis, Musical Shorthand, 1885. Graf Zichy-Ferraris, musikalischeStenographie, Wien 1885. Phonetic Journal, 1887. Rambach, System einer Musik-Stenographie, Zürich 1893.