Französische Stenographie. 129
schritt »Vorwärts« herausgibt und die Verhandlungen des Landtags auf-nimmt.
In Belgien, wo in der Kammer das System Prdvost seit 1 883 ange-wendet wird, wurde Duployes Stenographie 1873 am Collegium St. Michelzu Brüssel eingeführt, und errang solchen Erfolg, dass sie auch am CollegiumSt. Trond in Limburg Eingang fand. 1880 wurde ein Verein in Brüsseldurch Hocly gegründet und als dieser nach Hody's Abgang eingegangenwar, 1884 durch einen seiner Schüler, Philippe Meyer, erneuert. Auch indas belgische Parlament fand Duployi's Stenographie Eingang, indemein Stenograph der Kammer und einer des Senats sich derselben bedienen.Ebenso wird sie von dem Limburger Stenographen van Pusselt angewendet.In Constanti nopel veröffentlichte 1877 Dhionnet eine Zeitschrift inDuploye'scher Stenographie, Turquie Stenographique, 1888 wurde hier einCurs eröffnet, an welchem die Kinder des Unterrichtsministers theilnahmen,in Ägypten wurde das System von Herrn de Vaujant-Bey an der Hochschuleund von einem Ingenieur in Ismaila gelehrt. Der Ingenieur Chartier ver-breitete es in Tripolis und Erzerum. In dem französisch sprechenden TheileNordamerikas wurde DuployPs System durch Missionäre eingeführt. InMontreal in Canada, wo es 1878 in die Handelsakademie eingeführt wurde,wird es von Gerichtsstenographen verwendet.
Im Jahre 1866 unternahm es Dr. Albert Delaunay, der als Revisorim Stenographenbureau des Senats arbeitete, das System Prevost zu popu-larisieren. Er hatte Reisen in Deutschland gemacht, um die dortigen steno-graphischen Verhältnisse kennen zu lernen, und fand sich von diesen um-somehr angeregt, als das System Privost eine geistige Verwandtschaft mitGabelsberger's System hat, insofern dasselbe die Kürze der Schrift als oberstenGrundsatz aufstellt, somit Vorkenntnisse voraussetzt und daher in Elementar-schulen nicht gelehrt werden kann. Er gewann auch die Überzeugung,dass die Prevost'sche Stenographie ebenso in den höheren Unterrichts-anstaltenFrankreichs eingeführt werden könne, wie die Gabelsberger'scheStenographie in Deutschland und erörterte dies in einem Vortrage, welcherveröffentlicht wurde. 1867 nahm er mit seinen Schülern eine praktischeProbe unter Privosfs Vorsitze vor, 1877 gründete er den Verein Associationstenographique unitaire, welcher die Verbreitung einer einheitlichen Steno-graphie nach Privost-Delaunay zum Zwecke hat und dieselbe einheitlichnennt, weil sie nicht in verschiedene Stufen zerfällt. Die Mitglieder desVereins recrutieren sich aus den herangebildeten Schülern, sie erneuern sich,aber sie vermehren sich nicht, da die einen im Kampfe des Lebens selbstdie Correspondenz vergessen, andere, denen gute Stellungen verschafft wurden,sich auf ihre beständige Achtung beschränken, während nur wenige die Steno-graphie lehren und verbreiten. Wie oben (S. 123) erwähnt, schwärmt Delaunayfür Systemeinheit im Stenographenbureau, er rieth, die Stenogramme vonden Schriftsetzern in Currentschrift absetzen zu lassen, nachdem er solchesmit den Nummern seiner Zeitung versucht hatte, zu welchem Zweck dieSchriftsetzer Baudoiii's ein Jahr lang in der Stenographie unterrichtet wurden.Da aber im Parlament verschiedene Systeme verwendet werden, ist dieser Plannicht durchführbar. Der Verein gibt eine Zeitschrift U Uniti stinographiqueheraus. Als Unterrichtsmittel dient Delaunay's Manuel, zu welchem EmilePotin ein Pesume manuscrit geschrieben hat, Janot veröffentlichte Le Stdno-graphe, welcher in 5 Auflagen erschienen und in stufenmäßigen Leseübungenabgefasst ist. Ein ähnliches Werk ist Le Medaillon. Turbin und Bluetließen Ende 1885 ein Wörterbuch der Unvereinbarkeiten erscheinen. Das
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