128 Die Stenographie im 19. Jahrhundert.
Duploye fand bei seinem Streben die Unterstützung seiner Brüder, sowiebegeisterte Anhänger im Geistlichen- wie im Laienstande. 1875 bereiste Beaneinen großen Theil Frankreichs, um diese Stenographie zu lehren. Cursewurden eröffnet an Volks- und Mittelschulen, an Lehrerbildungsanstalten undHandelsschulen für Knaben und Mädchen, 1881 wurde von Geistlichen eineAnstalt für gebrechliche und unheilbare Kinder »stenographisch organisiert«.Der Gemeinderath von Lyon soll 1886 die Einführung der Stenographie indie oberen Volksschulen, in die Handels- und Gewerbeschulen und in denhöheren Unterricht beschlossen haben, doch ist 1887 nur ein Curs in derSociite d'Enseignemcnt professionel de Rhone angeführt. In diesem Jahrewurde das System Duploy&'s an 28 Anstalten, darunter 7 in Paris, gelehrt.1889 wurden Curse für die Unterofnciere des 144. Linien-Infanterieregimentsabgehalten, 1890 empfahl das Kriegsministerium den stenographischen Unter-richt und beauftragte die Officiere, welche Stenographie kennen, dieselbe beiden Regimentern zu lehren; in der Folge unterrichteten auch Corporale inder Stenographie.
Die Vereinsbildung machte Fortschritte, von 1872—79 entstanden 39,von 1880—90 44 Vereine, leider fehlt eine genaue Statistik, da man wohlerfährt, dass solche Vereine entstanden, aber nie, dass solche eingegangenwären; auch sind nicht alle Vereine behördlich genehmigt, da diese Geneh-migung bei einzelnen Vereinen angegeben, somit nicht selbstverständlich ist.Mehrere dieser Vereine zeichneten sich durch litterarische Thätigkeit aus,insbesondere der Verein L'ile de France, welcher 1887 200 Mitglieder zählteund unter anderem ein Dictionnaire Orthostenographique herausgab, undder Cercle national de bienfaisance stenographique, welcher 1877 in einemkleinen Dorfe der Franche-Comte bei Besancon von 7 Mitgliedern gegründetwurde, aber bald an Ausdehnung und vornehmen Mitgliedern gewann. Ergründete den Univers Stenographique, 1881 Le Telephone, welches halb-monatlich erscheint und bedeutende Gelehrte zu seinen Mitarbeitern hat. Alsder Gründer des Vereins, Richardet, nach Paris berufen wurde, erwarb erdem Verein neue Gönner, so dass derselbe 1887 300 Mitglieder (darunterselbst Fürsten) zählte und 1888 11319 Fr. Einnahme hatte. 1887 zähltedie Schule Duploye's 141 Zeitschriften. Duploye ist Professor der Steno-graphie an der höheren Handelsschule zu Paris, an der polytechnischen Schule,an der Schule von St. Cyr etc.
In der französischen Schweiz, wo zu Genf Petitpierre seit 1830mit dem System Conen de Prepean und Cavillier nach eigenem Systemarbeitete, wurde DuployÖs System 1880 bekannt; 1883 wünschten Hörer desLyceums eine stenographische Gesellschaft dieses Systems zu bilden und ver-öffentlichten einen Aufsatz im Journal de Geneve. Durch Maillard, ausLausanne, wurde 1884 mit 30 Mitgliedern ein Stenographenverein gegründet.Um dieselbe Zeit erschien zu Neuchätel eine stenographische Zeitschrift.Nachdem der Verein in Genf eingegangen war, entstand ein Verein zuFreiburg 1888. Duploye's Stenographie wird an der Handelsschule zuGenf gelehrt. 1890 wurde der Vorstand des Genfer Stenographenvereinszum Secretärstenograph der Verhandlungen des Großen Raths zu Genf er-nannt, als welcher er die Verantwortlichkeit für die Redaction der officiellenBerichterstattung hat; zwei Duployaner sind von dem halbamtlichen Journaldes Bundesrathes, dem »Bund«, mit der Aufnahme der in französischer Sprachegehaltenen Reden betraut.
In Luxemburg fand Duploye's Stenographie einen eifrigen Vertreteran Dr. Joseph Weber, welcher daselbst 1881 einen Verein gründete, die Zeit-