130 Die Stenographie im 19. Jahrhundert.
System wird in mehreren Pariser Gymnasien gelehrt, sowie in öffentlichenund unentgeltlichen Cursen in 10 Pariser Bezirken, ferner in mehrerenDepartementsstädten.
Augustin Grosselin. welcher oben (S. 123) als Vertreter der Taylor'schenStenographie genannt wurde, und dessen Sohn Emil, Chef des Stenographen-bureaus der Deputiertenkammer, gleichfalls eine etwas veränderte Taylor'scheStenographie anwendet, beschäftigte sich in seinem Alter mit der Auf-stellung und Verbreitung einer Stenographie fürElementarschulen,welche aus einfachen geometrischen Zeichen für die Consonanten, fein für dieweichen, dick für die starken Laute, sowie aus Vocalzeichen besteht, welcheisoliert geschrieben werden, aber auch weggelassen werden können (H. Gr.S. 315, 323). Er gründete 1866 eine Gesellschaft zum Unterricht der Taub-stummen, welche 1875 das Öffentlichkeitsrecht erhielt.
Eine vierte Schule wurde seit der Gründung der Sociite de Steno-graphie Aim& Paris ins Leben gerufen, nachdem diese Methode von L. P.Gu&nin vereinfacht und verbessert worden ist. Auch sie hat sich die Auf-gabe gestellt, die Stenographie allgemein zu machen und durch Curse zuverbreiten. In Paris besteht ein Centralverein, der zu seinen Mitgliedernhervorragende Stenographen zählt und in zwei Lokalen Curse unterhält.Zweigvereine sind zu Havre, Sanvie, Honfleur, St. Brieuc, Besancon. DasSystem fand auch in der französischen Schweiz Eingang in Neuchätel,wo Rouiller-Leuba seit 10 Jahren unterrichtet und eine Zeitschrift heraus-gibt, ferner zu Tramelon, zu Genf, wo 1894 das Echo stenographique alsOrgan der Union stinographiquc suisse erschien. In Canada soll dasStenographenbureau nach dieser Methode schreiben. Auch in Belgienfand sie Eingang. Das Organ des Centralvereins war anfangs La Stenographieä VEcole dann l'Ecole Aimd-Päris betitelt.
Im Jahre 1888 wurde von R. Vannaisse die Zeitschrift La Revueinternationale de Stdnographie herausgegeben, welche die Stenographenaller Schulen vereinigen sollte, doch führte schon die erste Nummer, welcheeinen Aufsatz über den Nachtheil unentgeltlicher Curse enthielt, zu einemStreite mit der Delaunay'schen Schule, welche sich davon getroffen fühlte.
Das System Pitman's wurde 1881 von P. Barru& (H. Gr. S. 314),später (1884) von Th. A. Reed übertragen, scheint aber keine Verbreitunggefunden zu haben, außerdem wird das System Riom, eine Silbensteno-graphie, und das System Rousseau in Cürsen gelehrt.
Es geht hieraus hervor, dass in Frankreich die Mehrzahl der Steno-graphen Gewicht auf die a 11 g e m e i n e Verbreitung der Stenographielegt, zumal man durch diese die Beseitigung der dem Sprachgebrauchso sehr entgegenstehenden Orthographie der Currentschrift erhofft. Daherbeschäftigte sich auch der zweite internationale Stenographencongress,welcher 1889 in Paris stattfand, eingehend mit der Unterrichtsfrage, undals ein Mitglied desselben die Meinung aussprach, dass darüber die Schulezu entscheiden habe, wurde sofort entgegnet, dass der Congress dazu amcompetentesten sei, da sich unter seinen Theilnehmern auch viele Schul-männer befänden. Ursprünglich war beantragt, den obligaten Unterrichtin der Stenographie an den Elementarschulen zu verlangen; nur um eineEinstimmigkeit zu erzielen da die deutschen Stenographen im Interesse ihrerSysteme sich dagegen sträubten, wurde facultativer Unterricht in Betrachtgenommen und beschlossen, 1. dass der Stenographieunterricht in den Elemen-tarschulen facultativ, in den höheren Lehranstalten obligatorisch ertheiltwerden solle, 2. dass in jedem Lande von der Regierung eine Commission