I2Ö Die Stenographie im 19. Jahrhundert.
Dutertre stellte 1828 ein System auf, in welchem die Vocale durchverschiedene Stellung der Consonantenzeichen ausgedrücktwurden (H. Gr. S. 337).
Im Jahre 1831 verhandelte die Akademie der Wissenschaften über dieEinführung derStenographie indieVolksschulen, welcher durchdie vollständig bezeichnenden Schriften eines Coulon de Thövenot, eines Conende Pripean und AimS Paris der Weg mehr geebnet war, als in irgend einemanderen Lande zu jener Zeit. Diese Verhandlungen veranlassten die HerrenJ. Painpare' und E. F. Lupin, der Akademie 1831 eine vom ersteren erfun-dene cursive Stenographie vorzulegen, fast gleichzeitig veröffentlichteFayet, gestützt auf ein Zeugnis des Dr. Benecq, dass eine cursive Schriftder Einrichtung des Armes am zuträglichsten sei, eine solche, 1832 folgteSenocq, 1834 Dujardvn in derselben Richtung. In den Grundsätzen schließensich diese Systeme an Coiüon de Thävenot an, d. h. sie verwenden geradeendigende Zeichen, an welche sich unten die Vocalzeichen anschließen.Von diesen wird das System Senocq im Parlament noch angewendet. Thierry-mieg stellte 1833 ein Alphabet gleicher Richtung auf, gab harten Consonantenfeine, weichen dicke Zeichen. Jules Lafaille bezeichnete in seiner cursivenStenographie die Vocale durch Veränderung der Consonantenzeichen (H. Gr.S. 326—329).
Es lässt sich nicht bemerken, dass die cursive Stenographie in Frank-reich einen günstigen Boden gefunden habe, und doch waren diese Systeme,wie zum größten Theil die französische Stenographie überhaupt, einfach,geistreich und der Sprache angepasst. Es ist unbegreiflich, wie die deutschenStenographen nach Gabelsberger's System hoffen konnten, mit ihrenverwickelten Schreibbestimmungen in Frankreich Eroberungen zu machen.Geiger's Übertragung 1860 lässt noch die Erklärung zu, dass sie für deutscheStenographen bestimmt sei, welche französisch kennen und schreiben wollen.Die Übertragung von Puschkin 1866, der nach Genf gieng, um von dort ausdie Gabelsberger'sche Stenographie in Frankreich einzuführen, von Halter1877, von Krieg 1880, von Rausser 1885 (H. Gr. S. 329—331) sind abercharakteristische Beweise, wiewenigdieGabelsberger'scheSteno-g r a p h i e f ü r f r e m d e S p r a c h e n p a s s t. Hofrath Krieg, als Vorstand desstenographischen Instituts Gegner jeder Veränderung des Systems in Deutsch-land, stellte neue Zeichen für/, d, t, also für Fundamentalzeichen des Systemsauf, Rausser für p, v, f, j, z, II. Wenn solche Übertragungen der Gabels-berger'schen Stenographie als Beweise ihrer universalen Verwendbarkeit aus-gegeben werden, dann kann leicht jedes andere System besseren Anspruchauf eine solche Eigenschaft machen. Thatsächlich muss aber eine solche Ver-änderung der Zeichen einen deutschen Stenographen, der sich beider Methodenbedient, zu den größten Irrthümern führen, da z. B. bei Krieg das franzö-sische d deutsch di gelesen wird, bei Rausser woduxion für production,mepode für methode, w für plus steht. Es ist nicht bekannt geworden, dass,vereinzelte Personen ausgenommen, die Gabelsberger'sche Stenographie inFrankreich Anklang! gefunden hat.
Dasselbe gilt von der Übertragung des Stolze'schen Systems durchProf. Dr. Michaelis auf die französische Sprache (H. Gr. S. 337). Neu wardie Position den Franzosen nicht, da sie schon Dutertre 1828 angewendet hat
Das Verdienst, die Stenographie in Frankreich populär ge-macht zu haben, gebürt dem Pfarrer Emil Duploye, welcher 1861 mitseinem einfachen System auftrat. Dasselbe besteht nur aus dem Alphabetund schreibt alle Laute so, wie sie gesprochen werden. Durch Anwendung