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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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125
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Französische Stenographie. 125

AI. Gossart veröffentlichte 1822 ein System, welches das ganze Schreib-wesen umgestalten sollte, indem er eine verkürzte Currentschrift und daraufgegründet eine Stenographie aufstellte; sowohl die Vocale als die Auslaut-consonanten werden durch Position angedeutet (H. Gr. S. 336). Boisduvalund Lecocq empfahlen 1826 die Currentschriftconsonanten auf 5 Linien zuschreiben, welche die Vocale vertreten (H. Gr. S. 338). Ein Ungenannter(P. R. E. L.J ließ die stenographischen Zeichen ganz bei Seite und lehrte

1825 eine abgekürzte Currentschrift.

Das Taylor-Bertin'sche System erhielt durch Augustin Grosselin 1822ein Wörterbuch, welches anzeigte, wie die vocallosen Consonantengruppenin den verschiedenen Wörtern lauten konnten. C. Petitpoisson schloss sich

1826 an Cadct und Gardet an. Eine völlige Umgestaltung, beziehungsweiseFortbildung erfuhr das Bertin'sche System durch Hippolyte Prevost ausToulouse, welcher daselbst schon im 16. Jahre den Grad eines bachelier-es-lettres erlangt hatte und sich den Rechtsstudien zuwenden wollte, als derZusammenbruch des väterlichen Juweliergeschäftes ihn den Studien entriss,worauf er Secretär des Präfekten wurde. Als solcher veröffentlichte er 1826ein Lehrbuch der Stenographie, welches durch Anwendung' von Zeichenfür Consonanten verbin düngen und durch Aufstellung einer großenZahl von Final- und Flexionsformen dem Taylor'schen System eine größereKürze und eine größere Sicherheit gab. Nach Veröffentlichung seines Lehr-buches gab Prevost seine Stelle auf, lehrte die Stenographie zu Montpellierund Aix und kam 1827 nach Paris, wo er anfangs im Auftrage eines Ver-legers die Vorlesungen eines Cousin und Guizot stenographierte, 1828 Bericht-erstatter des Messager des Chambres und im folgenden Jahre des Temps wurde.Nach der Julirevolution trat er in den officiellen Dienst des Moniteur ein.Alle französischen Stenographen der Taylor'schen Schule, wie Fosse 1829,Plantier 1844, Pillon 1847, Tondeur 1849, haben mehr oder weniger Prevost'sÄnderungen angenommen (H. Gr. S. 311312).

Eine Reihe von Anhängern und Bearbeitern fand um diese Zeit das SystemAinie Paris (s. S. 123) Cadres Mannet, Stenograph des Herzogs von Orleans,veröffentlichte auf dieser Grundlage seine Vereinfachte Stenographie 1828,Boutin erklärte in seinem Lehrbuche 1840, dass er weniger eine Kammer-stenographie, als vielmehr eine allgemeine Anwendung der Steno-graphie anstrebe. Potel deDieppe widmete seine »Classische Methode« demBischof von Rochelle, der ein eigenes Kürzungsverfahren erfunden und demVerfasser die Veröffentlichung desselben gestattet hatte ; das Buch wurde fürdie Diöcese Lyon autorisiert. 1846 veröffentlichte Pottier-Gruson eine Steno-graphie der Gebildeten nach dem System Atme Paris. August Lemoine,änderte an dem System die Durchkreuzung, die er den harten Lauten zu-theilte. A. Roby 1870 schrieb ganze Sätze in einem Zug, was aber wegender Durchkreuzung der Zeichen nicht vortheilhaft ist, da man den ganzenSatz nach dem Schreiben nochmals zu lesen hat (Ff. Gr. S. 319321).

Eine andere Gruppe von Stenographen baute auf Conen de Pripeanfort. Lenge verwendete auf- und abwärts geschriebene Zeichen, Chauvinstellte 1836 für die Laute mehrere Zeichen auf, Picart, der für sein Buchstenographische Typen herstellen ließ, stellte 1836 vier Stufen desSystems auf": 1. Schreibung aller Zeichen, 2. Verkürzung der Schrift durchlautliches Schreiben, 3. weitere Verkürzung durch Unterdrückung der Vocale,4. Weglassung der Endungen und Vertretung der Wörter durch den Anlaut(H. Gr. S. 321/2).