124 ® ie Stenographie im 19. Jahrhundert.
einfügte, die letzteren auch nach dem Grundsatze, ähnliche Zeichen für ähn-liche Laute, anders vertheilte (H. Gr. S. 317).
Die zweite Gruppe begründete das System von Coulon de Thevenot(S. 34), welches von seinem Erfinder in fortwährend neuen Auflagen und nachseinem Tode 1821 von seiner Tochter veröffentlicht wurde. Außerdem wurdees von M. Patey von 1818 bis 1862 in einer Reihe von Auflagen verbreitet.Auch das System Gaillard, welches ohne Ort und Datum erschien und dessenHerausgeber die Exemplare mit seinem Namen zeichnete, als wäre es seineigenes Werk, ist der unveränderte Abdruck des S}'stems Coulon de Thivenot.Scott de Martinville, welcher sich ungünstig über dieses System ausspricht,musste gleichwohl zugestehen, dass es zu seiner Zeit eine große Verbreitunghatte, und dass der Unterrichtsrath 1841 beabsichtigte, es in die öffent-lichen Elementar- und Mittelschulen einzuführen. Aus demoben gegebenen Verzeichnis gebt hervor, dass es noch jetzt im Parlamentpraktisch verwendet wird.
Neben den Systemen von Bertin und Coulon traten zu Anfang desJahrhunderts noch einige Systeme mit neuen Problemen auf: Josua Briggettin Haag wollte alle Wörter durch Zahlen ersetzen (H. Gr. S. 338). HonoreBlanc verwendete den senkrechten Strich, den linken und rechten Halbkreisin 8 Stellungen auf einem Netz von 4 Linien als Lautzeichen, denen er Final-zeichen beigab (H. Gr. S. 333). Charles Barbier, welcher einer der erstendem durch die französische Orthographie großgezogenen Analphabetismusdurch eine phonetische Stenographie steuern wollte, stellte verschiedene Laut-schriften auf (H. Gr. S. 333/4). Zalhind Honrwitz veröffentlichte 1811 einevereinfachte Currentschrift (H. Gr. S. 338).
Conen de Prepean ging in seinem 1813 zuerst veröffentlichten Systemevon dem Grundsatze Coidon's aus, die Vocale unten an die Consonantenanzufügen, aber er vermied absichtlich das Zerreißen der Wörter und wählteZeichen, welche das ganze Wort auf einen Zug schreiben ließen (H. Gr. S. 318).Wie Coulon gebrauchte er Zeichen in zweifacher Größe für schwache undstarke Laute, einige aber unterschied er nicht in dieser Weise, sonderndurch einen durchkreuzenden Strich, wie beim t in der Lateinschrift. Obgleichdies nicht kurz ist, fand die Akademie der Wissenschaften, welcher er seinSystem vorlegte, in demselben die höchste Vollendung der Stenographie,wonach nur Conen sich selbst übertreffen konnte, was er in dem Alphabetvon 1833 versuchte, worin er die Zeichen durch Größe der Haken und Rin-gelchen unterschied. Es gibt unter den Parlamentsstenographen Anhängerbeider Alphabete (der 5. und 6. Auflage). Nach seinem Kürzungsverfahrenwerden Substantive, Adjective etc. durch besondere Zeichen angedeutet. Aim6Paris veröffentlichte 1822 den Entwurf eines Systems, welches die Durch-kreuzung auf alle Zeichen für weiche Laute anwendete und viel Anhängerbis auf die Gegenwart gefunden hat (H. Gr. S. 319 f.).
F. J. Astier gab 1815 ein System heraus, in welchem die Eigenschaftder Zeichen als Anlaute, Inlaute und Auslaute durch Kreise und Haken an denConsonanten ausgedrückt wird, was die Schrift ziemlich verwickelt gestaltet(H. Gr. S. 319). Ein von ihm 1831 veröffentlichtes System unterscheidet dieConsonanten durch Positionen, die durch todte Bindestriche verbunden werden(H. Gr. S. 335)-
E. Vidal, dessen System gleichfalls von der Akademie der Wissenschaftensehr günstig beurtheilt wurde, schrieb die Zeichen in verschiedener Stellungan senkrechte Linien, so dass seine Zeilen, wie in der chinesischen Schriftvon oben nach abwärts gehen (H. Gr. S. 334).