Französische Stenographie. 123
einem Unternehmer, Blondeau de Combos, übertragen, welcher ein Abend-blatt »Le Stenograph des Chambres« gründete und eine monatliche Unter-stützung von 2000 Fr. erhielt. Aber diese Unterstützung genügte nicht, dasBlatt hörte am 14. Februar 1833 zu erscheinen auf; es hatte auch den Er-wartungen nicht entsprochen, erschien zu spät und die Redaction ließ zuwünschen übrig. Man griff wieder auf den Moniteur zurück, dem man eineUnterstützung von 5000 Fr. gab. Dieser beschäftigte nun 4 Revisoren und8 Stenographen, roideurs genannt, weil sie sich alle 2 Minuten ablösen,während die Revisoren 1 j i Stunde schreiben. Diese Einrichtung hat sich bisjetzt erhalten, Chef des Dienstes war Delsart, Bis 1845 arbeiteten die Steno-graphen in beiden Kammern, in diesem Jahre entschied sich die Pairskammerfür einen staatlichen Dienst, zu dessen Leitung Hippolyte Privost berufenwurde, der sich durch seine Verdienste den Orden der Ehrenlegion erwarb.Da der Moniteur hiebei seine besten Kräfte verlor, sah er sich genöthigt,mit seinen Stenographen Verträge abzuschließen. Jetzt trat Breton, der schonseit der ersten Revolution als Stenograph gearbeitet hatte, von dem Journaldes Debats zum Moniteur über. Nach der Revolution vom Februar 1848 wurdeder Dienst in beiden Kammern vereinigt, das vereinigte Bureau arbeitetebis 1852, wo das Kaiserreich die Tribüne unterdrückte. Von 1852 bis 1860wurden die nicht öffentlichen Verhandlungen von 4, später von 5 Steno-graphen aufgenommen. 1860 wurde der volle stenographische Dienst wiederhergestellt und unter die Leitung Lagache's gestellt. Auf die Einheitlichkeitdes Systems wird bei der Anstellung keine Rücksicht genommen, man hul-digt dem Grundsatze : » Taut vaut l'homme, tant vaut la Stenographie« undsieht nicht auf das System, sondern auf die Leistungsfähigkeit der Bewerber,weshalb den Franzosen auch die gehässigen Systemstreitigkeiten und dasDenunciationswesen der deutschen Stenographen fremd geblieben sind. Beidem Pariser internationalen Stenographentage haben die französischen Steno-graphen mit Ausnahme von Dr. Delaunay den freien Wettbetrieb aller Systemehinsichtlich der Parlamentspraxis auf das schärfste betont und die Besetzungder Stenographenstellen ohne Rücksicht auf Systemeinheit auf Grund vonWettschreiben vertreten. Nach dem von Dcpoin 1887 herausgegebenen Steno-graphischen Jahrbuche bedienten sich im Senate der Chef Sächehaye desSystems Aimi. Paris, seine beiden Adjuncten des von Taylor und Prevost,von den 5 Revisoren schrieben 1 nach Aimi Paris, 4 nach Prevost mehroder weniger verändert, von den 14 Stenographen 2 nach Conen, 1 nachCoulon de Th&venot, 6 nach Prevost, 1 nach Clement, 1 nach Bertin-Ton-deur, 1 nach Senocq, 1 nach Duployä, 1 nach Aime-Päris-Gn&nin. In derDeputirtenkammer schrieben der Chef Lagache sein eigenes nach Conengebildetes System, Grosselin nach Taylor, die Adjuncten nach Conen undPrevost-Delaunay, von den 6 Revisoren 2 nach Aimi Paris, 4 nach Privostoder Prevost-Delaunay, von den 11 Stenographen 1 nach Conen, 2 nachGrosselin, 1 nach Lemarchand, 5 nach Prevost, 1 nach Duploye", 1 nach Pitman,von den 4 Hilfsstenographen 1 nach Grosselin, 3 nach Prevost-Delaunay.Die französische Stenographie besteht aus zwei Gruppen von Sy-stemen, von denen die eine die Vocale un bezeichnet lässt, die anderesie schreibt. Die erste beruht auf dem System Taylor, dessen Bearbeitungfür die französische Sprache durch Bertin bereits (S. 35) erwähnt wurde, wieauch, dass Montigny in diese Schrift eine Vocalbezeichnung einzuführen suchte.Ähnliches beabsichtigten die ehemaligen Universitätsprofessoren, dann »Bürger«Cadet und Gardet, welche den Consonanten Vocalmerkmale beigaben (H. Gr.S. 309) und Clement 1800, der die Vocale buchstäblich in die Consonanten