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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
Seite
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Deutsche Stenographie. ne

werden; 8. die Schrifthöhe und Schriftweite darf nur zwei Stufen haben;

9. die Wörter müssen ohne Absetzen der Feder geschrieben werden;

10. die Aufeinanderfolge mehrerer Consonanten ohne Vocal ist durch unzwei-deutige Verb indungs weise herzustellen. Auf Grund dieser Thesen ver-urtheilte er alle bestehenden Systeme. Da z. B. die Beibehaltung der Current-schriftorthographie jede Kurzschrift unmöglich macht, so musste man gespanntsein, welche Kurzschrift er selbst zum Vorschein bringen werde. SeineSchrift »Entwurf und Begründung eines neuen Schulkurzschriftsystems«brachte ein dreigetheiltes Werk, worin aber nur die Schulschrift jenenThesen entsprach, während in der Correspondenzschrift der Druck derFeder, in der Debattenschrift die Position zur Symbolik der Auslaute ver-wendet, somit die Thesen in den wichtigsten Punkten aufge-geben wurden. In der zweiten Auflage (1893) empfahl Brauns sogleichdie kürzere Correspondenzschrift einzuüben, so dass die Schul-schrift mit ihren 10 Thesen ein leeres Aushängeschild blieb und das ganzeSystem eine einzeilige Stolze'sche Kurzschrift wurde, welche inder Debattenschrift auch die Einzeiligkeit preisgab. Auf den Brauns'schenBüchern und Flugschriften sind Recensionen aller stenographischen Schulenabgedruckt, welche den Anschein erwecken, als ob dieses System sich desBeifalls aller Stenographen zu erfreuen hätte. Die folgende Gegenüberstellungzeigt jedoch, wie frei Dr. Brauns mit den Recensionen umging. Der Faul-mann'sche Stenograph Dr. Lode sagte:

nach Brauns:Ableitung der Zeichen . . .an Sorgsamkeit nichts zuwünschen übrig

äußerst günstig gewählt undnach sprachlicher Verwandt-schaft analog gebaut.

Eine solche einheitliche Zei-chenvertheilung vermag unsBewunderung einzuflößen.

im Original:In der That würde auch die Ableitung der Zeichenan Sorgsamkeit nichts zu wünschen übrig lassen,obwohl wir nicht umhin können, der ÜberzeugungRaum zu geben, dass die Zeichen zwar an und für sichäußerst günstig gewählt und nach ihrer sprachlichenVerwandtschaft auch analog gebaut sind, dennoch eineeigentliche Verbindungsfähigkeit sich niemals heraus-stellen wird, wodurch auch die praktische Verwert-barkeit jener Aufstellung bedenklich leiden dürfte.So sehr auch eine solche einheitliche Zeichenverthei-lung uns Bewunderung einzuflößen vermag, so ent-täuscht legen wir das Buch bei Seite, wenn wirbeim Weiterblättern die Consonantenverbindungenbetrachten.

Es ist ja nichts einfacher, als für die Zeichen t, p, k einfache Grund-zeichen aufzustellen und dieselben verkleinert für d, b, g zu verwenden, wiedas schon die Engländer gethan haben, aber die Kürze der Schrift kann aufnatürlichem Wege nur geschaffen werden, wenn die Zeichen so gewählt sind,dass sie nach der Verwandtschaft sich wie in der Sprache mehr oder wenigerverbinden. Übrigens sind auch die Thesen Brauns' nicht einspruchsfrei.

Nachdem verschiedene deutsche Stenographie-Systeme auf fremdeSprachen übertragen worden sind, war es auch natürlich, dass fremde Systeme,welche in ihrer Heimat Verbreitung gefunden hatten, auf die deutscheSprache angewendet wurden. So war schon wiederholt Taylor's System aufdie deutsche Sprache übertragen worden, der Deutsch-Amerikaner Drießleinin Chicago wendete das Pitman'sche System auf die deutsche Sprache an,aber dasselbe fand selbst bei den Deutschen in Amerika keinen Anklang, nochweniger in Deutschland selbst, wo man für eine andere als für eine cursiveStenographie gar kein Verständnis hat. Aus demselben Grunde fand auchdas System Duployii, welches wegen seiner unübertrefflichen Einfachheit inFrankreich großen Erfolg errungen hatte, in Deutschland keine Beachtung,