94 Die Stenographie im 19. Jahrhundert.
Anhänger fand. Als Vereinfachungen des Stolze'schen Systems kündigtensich die Schriften von Claus 1889, von Th. H. Behrens 1892 und Dr. E.Fleischer 1892 an.
Auf der Gabelsberge r'schen Stenographie baute der WienerSchriftsetzer Günzl 1880 ein vereinfachtes System auf (H. Gr. S. 227) undunterrichtete danach einige Zeit im Buchdruckerverein. Udo Born in Halleveröffentlichte 1884 ein System in ähnlichem Sinne (H. Gr. S. 227). PaulBeiz in Stuttgart war so naiv, eine Vereinfachung des Gabelsberger'schenSystems dem Dresdener Institut zur Begutachtung vorzulegen, welche natür-lich ablehnend ausfiel. Der Candidat Steinmeyer in Wolfenbüttel veröffent-lichte eine vereifnachte Gabelsberger'sche Stenographie 1893 und im selbenJahre der Vorsitzende des Breslauer Gabelsberger'schen Stenographenver-eines Baumann den »Entwurf einer zeitgemäßen Umgestaltung der Gabels-berger'schen Redezeichenkunst«.
Arends, welcher 1882 starb, hatte alle Änderungsversuche seinesSystems, welche hin und wieder in Vorschlag gebracht wurden, abgewiesen.Nach seinem Tode tauchten solche wieder auf, Pütter 1889 und Matschenz1890 veröffentlichten derartige Versuche, auch im Schöße des Arends'schenSystemauschusses machten sich Stimmen für die Vereinfachung des Systemsgeltend, ohne bisher durchzudringen.
Verbesserungen, welche O. K. Fischer 1884 an dem Faulmann 'sehenSystem vornahm, waren vom Erfinder selbst schon 1883 durchgeführtworden, dagegen hätte der von Kluge gemachte Versuch, durch Aufstellungvon Nebenzeichen das System besser zu machen, dasselbe nur in Verwick-lungen gebracht, welche gerade dieses System am ersten vermieden hat. E sscheint den deutschen Stenographen nichts schwer er zu sein,als sich an Consequenz zu gewöhnen.
Auf diese Weise ist auch die Aufstellung eines neuen Systems zu er-klären, welches von Sehrey, Johnen und Socin 1887 veröffentlicht wurde. DiesesSystem, welches zuerst als »Deutsche Kurzschrift«, dann als »Vereinfachtedeutsche Stenographie« auftrat, entnahm seine Elemente aus den Systemen vonGabelsberger, Stolze und Faulmann: von letzterem die Vocaltheorie, vonGabels-berger die Zeichen mit Unterlängen, von Stolze verschiedenes, ohne diese Ele-mente in organische Ordnung zu bringen; es sind z. B. von Faulmann Zeichen-verschmelzungen ohne die entsprechenden einfachen Zeichen übernommenworden. Dennoch hat gerade dieses System in kurzer Zeit einen bedeutendenAnhang gewonnen, da Schrey, der schon als Gabelsberger'scher Stenographmit der Handhabung der Propaganda wohl vertraut war, diese mit nochgrößerem Eifer für sein System verwendete, welches in kurzer Zeit 187Vereine gewonnen hat. Jedenfalls ein Beweis, dass die Verbreitung einesStenographiesystems in Deutschland nicht durch innere, sondern durchäußere Verhältnisse beeinflusst wird.
Einen eigenthümlichen Weg schlug Dr. J. Brauns ein, um ein neuesSystem in die Öffentlichkeit einzuführen. Er veröffentlichte zuerst 10 Thesen,welche die Anforderungen an eine Schulstenographie enthalten sollten: 1. dieBuchstaben müssen schön sein, es darf kein handwidriges Zeichen geben;2. die Buchstaben müssen die Verwandtschaft der Laute zum Aus-druck bringen; 3. die Schrift muss vollständig bezeichnend sein und derRechtschreibung entsprechen; 4. die Schrift muss unabhängig vomDruck der Feder ausgeführt werden; 5. die Schrift muss von der Schreib-linie unabhängig sein; 6. es darf keine Hilfs- und Nebenzeichengeben; 7. die Vocale müssen in allen Silben gleichmäßig bezeichnet