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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
Seite
93
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Deutsche Stenographie. 03

Schulen zum Gegenstand des Unterrichts zu machen. Es hätten darauf Unter-suchungen stattgefunden, wie es gegenwärtig mit diesem Unterricht und seinerVerbreitung stehe und diese hätten Folgendes ergeben: Der Unterricht in derStenographie finde nirgends ein Hindernis, an allen höheren Schulen werdeer zugelassen, eventuell mit Erlaubnis des Directors, allerdings erst in Tertiaund Untersecunda. Aber fast keiner von den Schülern kommeüber denjenigen Standpunkt hinaus, bei welchem die Über-tragung ein Gegenstand der Überlegung bleibe und das steno-graphische Schreiben ihn vom Gegenstande abzieht. In denletzten Jahren habe die Ausbreitung des stenographischen Unterrichts nichtzu-, sondern abgenommen, viele Schüler, welche ihn begonnen hätten, seienabgefallen; es sei anzunehmen, dass dies größtentheils daher komme, dassman den Nutzen, den sich viele davon versprechen, nicht darin gefundenhabe. Eine gehörige Ausbildung in der Stenographie nehme auch für dieunbedingt erforderliche Übung mehr Zeit in Anspruch, als solche bei Schülernfrei bleibt. Für Studierende sei der Nutzen ein sehr mäßiger. Da nun aberdie Kurzschrift innerhalb vier Wochen continuierlicher intensiver Übung zuerlernen sei, so werde das etwa vorhandene Bedürfnis leicht befriedigt werdenkönnen. Die Unterrichtsverwaltung sei daher auf dem bisherigen Standpunktgeblieben, die Stenographie nicht als facultativen Unterrichtsgegenstand ein-zuführen, dieselbe vielmehr der freien Entwicklung zu überlassen und wiebisher nur zu gestatten. Eine ähnliche Erklärung erfolgte in der Kammer,worauf der Landtag am 24. Februar 1886 über die Petitionen zur Tages-ordnung überging.

An der Gabelsberger'schen Schule ging diese Erklärung unbe-achtet vorüber, das »Correspondenzblatt« des Dresdener Instituts druckte inNr. 1 vom Jahre 1887 eine der »Wiener Presse« entnommene Reclame, inwelcher vor den neuen stenographischen Systemen gewarnt und das Gabels-berger'sche als das in jeder Hinsicht vorzügliche und einzig zweckentsprechendeSystem empfohlen wurde, mit der Bitte um die weiteste Verbreitung ab unddie Gabelsberger'schen Vereine errichteten aus angesammelten BeiträgenGabelsberger ein Denkmal. Zugleich versöhnte sich der Gabelsberger Steno-graphenbund mit dem Dresdener Institute, wobei eine Vereinbarung über diegemeinsame Behandlung von Systemfragen stattfand, welche aus den oben(S. 86) entwickelten Gründen eine tiefer greifende Umgestaltung des Systemsnicht zur Folge haben kann.

Die Stolze'sche Schule war, da sie in Preußen ihren Hauptsitz hat,geneigter, den Anforderungen der preußischen Regierung zu entsprechenSchon 1885 hatten die Altstolzeaner erkannt, dass sie auf dem Boden der Ver-neinung nicht stehen bleiben konnten. Statt sich aber mit den Neustolzeanern,welche jetzt die große Masse der Stolze'schen Vereine bildeten, kurzweg zuvereinigen, nahmen sie eine Theilung des Systems in eine Schulschrift und eineDebattenschrift und eine Vereinfachung der Regeln in der ersteren vor, welchesich mit denen der Neustolze'schen Schule nicht deckten (H. Gr. S. 287/8).Die Neustolze'sche Schule nahm 1888 eine weitere Vereinfachung ihres Systems(diesmal ohne eine Spaltung) vor, welche in einer »Systemsurkunde« fest-gelegt wurde. Zur Einzeiligkeit überzugehen, lehnten sämmtliche Frac-tionen der Stolze'schen Schule ab.

Dennoch traten immer neue Versuche einer einzeiligen Stolze'schenStenographie von Merkes 1880, Lenze 1881, Sartorius 1884, Feichtinger1885, Hering 1886 (H. Gr. S. 24449), Freund 1887, Sünninghausen 1887,Neuendorf 1888, Rettelbusch 1889 zu Tage, von denen das System Merkes