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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
Seite
92
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g2 Die Stenographie im 19. Jahrhundert.

Zeitschrift 1888) ziffernmäßig nachwies, an Kürze der Gabelsberger'schenCorrespondenzschrift und der Stolze'schen Schulschrift nicht nachsteht unddie durch Anwendung einer geringen Zahl von Sigeln und einer freien Klang-kürzung (Mittel, welche die Gabelsberger'sche Kammerstenographie in grö-ßerem Maße anwendet) die Fähigkeit zum Nachschreiben der schnellsten Redeerhielt (H. Gr. S. 229, 232 34). Die Entwicklung der Faulmann'schen Schulehat durch Änderungen, welche der Erfinder vornahm, zweimal Unterbrechungenerfahren, nach denen jedesmal neue Anhänger gewonnen werden mussten,die jetzige Form des Systems besteht seit 1883. Gustav Horlacher versuchtein derselben Weise die Anlautvocalisation (1876) durchzuführen (H. Gr.S. 230) aber gerade dieser Versuch zeigte, dass dieselbe zu Widersprüchenund Unbequemlichkeiten führt, während die Bezeichnung im Auslaute nachFaulmann sich auf die natürlichste Weise vollzieht.

Dr. Wendt, Professor in Troppau, versuchte 1875, die Gabelsberger'scheStenographie durch eine Umgestaltung des Systems zu vereinfachen (H. Gr.S. 225). Julius Hüpscher, gleichfalls Gabelsberger'scher Stenograph, ver-öffentlichte eine aus gemischten stenographischen und Currentschriftzeichenbestehende »Neudeutsche Cursivschrift« (H. Gr. S. 273), er lehrte dieselbe inWien in mehreren Cursen, dieselbe fand jedoch keine Verbreitung. A. Salingstellte 1877 eine stenographische Schrift mit eingefügten Vocalzeichen auf(H. Gr. S. 273). Der Oberförster Baumgarten, auch ein Gabelsberger'scherStenograph, wollte 1872 durch Vereinfachung der Currentbuchstaben einenÜbergang von der Currentschrift zur Stenographie schaffen, dasselbe strebtenDr. v. Kaiser in Graz 1873, Dr. Schuster in Eger 1874, Prof. K. F. Kolb inKöln 1875, Dr. A. Vogel 1876 und der Gymnasiallehrer G. Noack in Herfordan (H. Gr. S. 300303); die Schriften von Baumgarten und Noack sindkalligraphisch die schönsten. Es ist beachtenswert, dass Männer aus den gebil-detsten Kreisen, verzweifelnd an der Eignung der herrschenden Stenographie-systeme zur allgemeinen Verwendung, solche Versuche unternahmen, aberdiese Versuche blieben erfolglos. 1872 glaubte sich ein »Freund der Steno-graphie« den Dank aller derjenigen zu erwerben, welche sich in kurzer Zeitzu Stenographen ausbilden wollten, wenn er das Horstig'sche System wiederveröffentlichte, da dieses leichter sei, als die Systeme von Gabelsberger undStolze.

In Preußen erwachten 1872 wieder Hoffnungen auf Einführung derStenographie in die Schulen. Abermals wurden Petitionen eingebracht. DieAntwort des Ministers Dr. Falk, worin in Aussicht gestellt wurde, die An-gelegenheit bei der bevorstehenden Verhandlung über den allgemeinen Lehr-plan der höheren Schulen in Erwägung ziehen zu wollen, vermehrte die Hoff-nungen. Im October 1873 folgte die Entscheidung. Die Anträge auf Ein-führung der Stenographie als obligater Lehrgegenstand wurden einstimmigabgelehnt, auch die facultative Einführung wurde nicht zugelassen,vielmehr ausgesprochen, dass die Schule nicht weiter gehen könne, als denPrivatunterricht in der Schule in einem Classenzimmer zu gestatten.

Im Jahre 1884 kam die Stenographiefrage wieder im preußischen Land-tage zur Sprache. In der Commission erklärte der Regierungsvertreter Dr.Bonitz: Mindestens 10 Systeme verlangten die Einführung in die höherenUnterrichtsanstalten und die Acten über diese Frage hätten so stark zuge-nommen, wie kaum über andere pädagogische Fragen. Vor etwa anderthalbJahren habe die Unterrichtsverwaltung diese Frage nochmals einer eingehendenErwägung unterzogen, als aus einem anderen Ressort die Frage an sie ge-richtet worden war, ob es sich nicht empfehle, die Stenographie in den höheren