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Geschichte und Litteratur der Stenographie
Entstehung
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86 Die Stenographie im 19. Jahrhundert.

Parteilichkeit und behaupteten in öffentlichen Blättern, die Gabelsbergerianerhätten gesiegt, weil doch drei derselben angestellt wurden. Der Münchenerund der Wiener Centralverein waren nicht dieser Meinung und daraus entstandeine Entzweiung des Dresdener Instituts auch mit dem Münchener Verein, diebald zum Ausbruch kam.

Der Zusammentritt des Gabelsberger'schen Systemausschusses war durchverschiedene Umstände, zuletzt durch den Krieg verzögert worden. Jetztwünschte der Münchener Verein, dass er 1868 bei Gelegenheit des 50jährigenJubiläums der Gabelsberger'schen Stenographie in München zusammentrete,das Dresdener Institut berief ihn aber für dieselbe Zeit nach Berlin. DerWiener Centralverein, der inzwischen dem Münchener Centralverein nähergetreten war, hielt eine Umfrage bei den Mitgliedern des Systemausschusses,welche sich für den Zusammentritt in München aussprachen. Darauf hin legtedas Dresdener Institut seine Stelle als geschäftsleitende Körperschaft desSystemausschusses nieder, und dieser selbst hörte auf, da an seiner Stelle zuMünchen der Deutsche Gabelsberger Stenographenbund gegründet wurde, derdie Fortbildung des Systems in die Hand nehmen sollte. Bei dieser Ge-legenheit wurde die ganze Revision des Gabelsberger'schenSystems aufgegeben; wohl hat der Bund zu wiederholtenmalen Beschlüssein Systemfragen gefasst, aber Professor Oppermann bemerkte sehr richtig:»Was in dieser Zeit geändert ist, sind nur Einzelnheiten und Kleinigkeiten«.Der Grund war offenbar der, dass der größte Theil der Gabelsberger'schenSchule den Berathungen des Systemausschusses mit Sorge entgegengesehenhatte, da die Anträge geeignet waren, eine völlige Umwälzung des Systems,vielleicht auch eine Spaltung desselben, hervorzurufen. Für diesen Preis hieltman die Vereinfachung des Systems als zu theuer erkauft, zumal von außenkein Zwang danach vorlag: von 1857 bis 1867 war die Zahl der Vereineinfolge einer eifrigen und geschickten Propaganda von 25 auf 220 gestiegen,dieselben zählten 5586 Mitglieder, auch der Unterricht in den öffentlichenSchulen nahm stetig zu, da die verbesserten Lehrbücher sich bemühten, dieErlernung des Systems möglichst zu erleichtern, die fleißigen Schülermit ihren Erfolgen die Nachahmung reizten und die übrigenSchüler ihre Misserfolge ihrem Mangel an Fleiß zuschrieben.

Während dieser Zeit war eine Anzahl neuer stenographischer Versucheerschienen. Ein Salzburger Diurnist, Josef Hauser, stellte 1854 und 1860verschiedene Schriftprobleme ohne Zeichen auf, indem er die Strahleneines Sternes als Buchstaben benutzte, der Schriftsetzer Felsch in Halle warvon seinem Setzkasten auf eine ähnliche Idee geführt worden, ein Würz-burger, Ploetz, hatte die Positionen eines Quadrats zu gleichem Zweck zuverwenden gesucht (H. Gr. S. 29396). Haepe's Anregung, die Gabels-berger'sche Stenographie in die Volksschule einzuführen, veranlasstendie Lehrer Willems und Kcrkhoff in Leer, einen solchen Unterricht dadurchzu ermöglichen, dass sie die Vocale buchstäblich schrieben und eine ent-sprechende Änderung der Zeichen vornahmen (H. Gr. S. 272); noch kühnerwaren die Versuche von Zuppinger, Knobel, Eiche, Wölfert, Dix, die steno-graphischen Zeichen auf sämmtliche Sprachlaute auszudehnen und dadurcheine Universal- Kurzschrift zu schaffen (H. Gr. S. 26971), wiesolches kurz vorher in England versucht worden war. H. L. Behrendt inCammin stellte 1867 eine vereinfachte Currentschrift auf (H. Gr. S.299). Ferd. Vogel in Berlin suchte auf Gabelsberger'schen und Stolze'schenGrundlagen eine Stenographie aufzustellen, verwickelte sich jedoch in vieleNebenzeichen (H. Gr. S. 242). K. Faulmann in Wien, der einen lebhaften