Deutsche Stenographie. 83
Zeichnungen geführt, ohne das Ziel zu erreichen, ferner zu naturwidrigenFormen (in Magistrat wird mag wie eine Vorsilbe zu strat gesetzt), dieNachahmung der Stolze 'sehen Vorsilbenbezeichnung hatte dievon Gabelsberger bei Stolze gerügte Abhängigkeit der ersten Silbe von derStellung der zweiten und dritten Silbe zur Folge, ohne dass sie consequentdurchgeführt werden konnte, da die Stolze'schen Sigel fehlten. Th. Krafftsagte daher: »Fassen wir den Eindruck, den die Ausführung des angestrebtenZieles auf uns gemacht hat, zusammen, so können wir nur sagen, es sei z uwenig oder zuviel geschehen, denn entweder musste man gründlicherdurchgreifen, um den Geschäftsstil der Currentschrift noch ähnlicher zumachen, oder man durfte nicht in so vielen Fällen die oft geistreichen Verbin-dungen Gabelsberger's aufheben, um weitläufigere an deren Stelle zu setzen«.
Eine Prüfungscommission, wie sie in der Stolze'schen Schule bestand,wäre sehr am Platze gewesen, und da eine solche autorative fehlte, so bildetesich eine private. Das von Krafft 1857 begründete »Magazin für Stenographie«,welches die Unklarheiten des Gabelsberger'schen Systems als »Systemfragen«erörterte, bildete den Vereinigungspunkt für eine Anzahl denkender Köpfe,welche nicht alles gedankenlos nachschreiben wollten, was Prof. Rätzsch imNamen der Dresdener Beschlüsse vorschrieb. Diese Männer wollten das Systemnicht umändern, sondern nur das Material für eine allmähliche Fortbildungdesselben liefern; aber in Dresden und München fand dies Streben keine freund-liche Aufnahme, noch stand die schwierige Systemberathung von 1857 infrischem Gedächtnis, man wollte Ruhe haben, und empfahl den strebendenGeistern, sich mehr um die Verbreitung als um die Einrichtung des Systemszu kümmern, man solle »den Gegnern des Systems nicht Waffen in die Händeliefern«.
In Wien war es Conn, der durch seine Berichte aus dem Gerichts-saale die Stenographie zu großem Ansehen gebracht hatte, gelungen, dieProfessur für Stenographie an der neugegründeten Wiener Handelsakademie,die anfangs einem Stolzeaner zugedacht war, zu erhalten, wodurch die Gabels-berger'sehe Stenographie in die österreichischen Handelskreise eingeführtwurde. Durch Zeitungsberichte auf die Dresdener Versammlung aufmerksamgemacht, erschien er dort als Berichterstatter für die österreichische Regierung,wobei er seine Bedenken gegen die Beschlüsse nicht verhehlte. Um dieselbeZeit trat er in den Wiener Gentralverein, dem er sich bis dahin fern gehaltenhatte, ein und führte diesem neue Kräfte zu. Zum Vorstand des Vereinsgewählt, verschaffte er demselben bald solches Ansehen, dass selbst hoheBeamte dessen Generalversammlungen besuchten. Die Ereignisse von 1859führten die Stenographie in Österreich wieder in das öffentliche Leben, Steno-graphen für Reichsrath und Landtage wurden benöthigt und meist von Connherangebildet, der auch in militärischen K r e i s e n die Stenographie ein-führte, wofür er mit dem Franz Josephs-Orden ausgezeichnet wurde. Die inseinen Cursen gebildeten Officiere trugen den Unterricht in der Stenographiein die Militärschulen, wo sie einen Platz als facultativer Lehrgegenstanderhielt, in einigen sogar obligatorisch eingeführt wurde. 1860 erwirkte Conndie Einsetzung einer k. k. Prüfungscommission für Lehramtscan-didaten der Stenographie, wodurch die öffentlichen Schulen jedem anderenSystem verschlossen wurden. Alles dies hatte zur Folge, dass die Gabels-berger'sche Stenographie in Österreich in wenigen Jahren einen Aufschwungerlebte, wie er in Deutschland nur in Decennien erreicht worden war.
Der Wiener Centralverein benützte die 1858 fertig gewordenen Steno-graph i s c h e n T y p e n nach Gabelsberger 's System, um 1859 enie Zeitschrift
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